Teil eines Werkes 
2,1 (1972) Führer durch die Quellen zur Geschichte Lateinamerikas in der Bundesrepublik Deutschland / bearb. von Renate Hauschild-Thiessen u. Elfriede Bachmann
Entstehung
Seite
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NIEDERSACHSEN

Vorbemerkung

Das Land Niedersachsen (Hauptstadt: Hannover) wurde 1946 von der briti­schen Besatzungsmacht gebildet durch Vereinigung der früheren preußischen Provinz Hannover (Reg.Bezz. Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Stade, Osna­brück und Aurich) mit den bisher selbständigen Ländern Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Oldenburg. Damit entstand ein einheitlicher, ganz Nordwestdeutschland, mit Ausnahme der Freien Hansestadt Bremen, um­fassender Flächenstaat.

Landesgeschichte. 1. Hannover (Hauptstadt Hannover). Das niedersächsische Kerngebiet ist durch die Politik der Herzoge von Braunschweig-Lüneburg zusammengefügt worden. Ausgangspunkt der neueren Territorialentwicklung ist ein Erbvertrag von 1635, welcher den Hausbesitz auf die Fürstentümer Calenberg-Göttingen (Hauptstadt Hannover), Lüneburg (Hauptstadt Celle) und Braunschweig-Wolfenbüttel aufteilte. Die aktivste calenbergische bzw. nach der Hauptstadt hannoversche Linie zog die Fürstentümer Grubenhagen (1665) und Lüneburg (1705) an sich. Hannover wurde 1692 zum neunten Kurfürstentum erhoben und seit 1714, nachdem Kurfürst Georg Ludwig als König Georg I. den englischen Thron bestiegen hatte, in Personalunion mit England (bis 1837) regiert. Der altwelfische Kern vergrößerte sich erheblich durch den Erwerb fremder Territorien: der Grafschaften Hoya (1582), Diep­holz (1585) und Hohnstein (1593), des Herzogtums Lauenburg (1689), der Ämter Harpstedt und Wildeshausen, der seit 1648 schwedischen (davor geistlichen) Herzogtümer Bremen und Verden (1715/20) sowie des Landes Hadeln (1731).

In der napoleonischen Zeit erlangte Kurhannover zwar 1803 noch endgültig das Stift Osnabrück, wogegen es das Amt Wildeshausen an Oldenburg ab­trat. Dann wurde es aber 1806 von Preußen besetzt und nach dessen Nieder­lage gegen Napoleon von diesem aufgelöst; der südliche Teil kam 1807 an das neu gegründete Königreich Westphalen, der nördliche 1810 an das fran­zösische Kaiserreich, das damals auch die drei Hansestädte Lübeck, Bremen und Hamburg annektierte und sich über lauenburgisches und lübeckisches Gebiet einen Korridor zur Ostsee schuf. Nach dem Befreiungskrieg wurde Hannover 1813 wiederhergestellt, 1814 zum Königreich erklärt und 1815 durch den Wiener Kongreß erheblich vergrößert: es erhielt die Grafschaft Bentheim (hannoverscher Pfandbesitz seit 1753), das aus dem westlichen Teil des Niederstifts Münster 1803 gebildete Herzogtum Arenberg-Meppen, mehrere seit dem 18. Jh. bzw. dem Reichsdeputationshauptschluß preußische Gebiete Fürstentum Ostfriesland (seit 1744), Niedergrafschaft Lingen (seit 1702), Stift bzw. Fürstentum Hildesheim und ehemals Freie Reichsstadt Gos­lar (seit 1803), das ehemals kurmainzische Untereichsfeld (seit 1803) sowie alten kurhessischen Streubesitz in Niedersachsen die Ämter Freudenberg, Uchte und Auburg, die Herrschaft Plesse und das Amt Neuengleichen. Auf den Wiedererwerb Lauenburgs mußte Hannover 1815 allerdings zugunsten Dänemarks verzichten (mit Ausnahme des Amtes Neuhaus/Elbe und Streu­besitz).