Teil eines Werkes 
2,1 (1972) Führer durch die Quellen zur Geschichte Lateinamerikas in der Bundesrepublik Deutschland / bearb. von Renate Hauschild-Thiessen u. Elfriede Bachmann
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Hessen Staatsarchive

Bergingenieur von Beruf und Minenbesitzer in der Wüste Atacama, sowie Karl Wilhelm Moesta, Astronom und Meteorologe, vor allem aber Rudolph Amandus Philippi, der Bruder von Bernhard E. Philippi. Er war Leiter der Gewerbeschule in Kassel, bevor er sich 1852 in Chile niederließ. Bereits ein Jahr später wurde er zum Professor für Zoologie und Botanik an der medizi­nischen Fakultät und zum Leiter des Nationalmuseums in Santiago berufen. Sein Sohn Friedrich wurde sein Nachfolger: 1874 übernahm er die Professur und 1897, nach dem Tode des Vaters, die Leitung des Nationalmuseums. Alle Philippis machten ausgedehnte Reisen in das Innere Chiles und trugen wesentlich zur Erforschung des Landes bei.

Georg P. Becher aus Hanau begegnet schon 1824 als Inhaber eines größeren Handelshauses in Argentinien. Der Tierarzt Otto Philipp Braun aus Kassel wurde Stallmeister des Königs Christoph von Haiti, kam 1820 nach Kolum­bien, zog 1823 mit Bolivar nach Peru und wurde um 1840 Kriegsminister von Bolivien. Bis zum Münzdirektor in Costa Rica (1856) brachte es Wilhelm Witting aus Kassel. Karl Christian Sartorius, Sproß einer hessen-darmstädti­schen Pfarrersfamilie, Freiheitskämpfer, Burschenschafter, in Wetzlar als Gymnasiallehrer tätig, ging 1824 nach Mexiko und wurde Begründer der vielfach erwähnten deutschen Ansiedlung El Mirador. Initiator einer deut­schen Kolonie in Tamaulipas war der hessische Baron von Racknitz; 1846 wurde er Anführer der mexikanischen Streitkräfte im Krieg gegen die USA. In den fünfziger Jahren warb Frhr. Dr. Cuno Damian Schütz zu Holzhausen (18251883), der Verbindung zu dem konservativen nassauischen Politiker Moritz Lieber hatte, in den katholischen Gebieten Nassaus für die Auswande­rung nach Peru. Die Reisen von Theodor Koch aus Grünberg in das Amazonasgebiet (19051907, 19111913) und die von Heinrich Schenck aus Darmstadt nach Mexiko (Ende des 19. Jhs.) trugen ihr Teil zur Erforschung Lateinamerikas bei.

Vertraglich geregelte Handelsbeziehungen der hessischen Länder mit latein­amerikanischen Staaten gab es seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts; sie kamen zumeist durch den Deutschen Zollverein zustande. Die Firma Henschel & Sohn in Kassel lieferte um 1890 Lokomotiven nach Chile; die Frankfurter Firma Philipp Holzmann & Co. führte etwa zur gleichen Zeit Großbauten in Argentinien aus. Die Firma Liebig in Gießen erwarb seit 1865 in Argentinien, Uruguay und Paraguay Ländereien, deren Gesamtfläche im Jahre 1908 etwa einem Drittel des Königreichs Sachsen entsprach; hier weidete das Vieh, aus dem der bekannte Fleischextrakt hergestellt wurde.

Staatsarchive

Vorgesetzte Behörde:

Der Hessische Kultusminister 62 Wiesbaden, Luisenplatz 10

Literatur: Otto Renkhoff, Hessen (Teil des Aufsatzes: Aufbau und Organi­sation des staatlichen Archivwesens in den Ländern der BRD), in: Der Archivar, Jg. 13,1960, Sp. 246247.