HESSEN
Vorbemerkung
Das Land Hessen (Hauptstadt: Wiesbaden) entstand 1945 durch Zusammenlegung der preußischen Provinzen Nassau und Kurhessen (mit Ausnahme der Kreise St. Goarshausen, Unterlahn, Unter- und Oberwesterwald, die als Reg.Bez. Montabaur zu Rheinland-Pfalz kamen) und des rechtsrheinischen Teiles des Freistaats Hessen-Darmstadt (dessen linksrheinische Provinz Rheinhessen ebenfalls an Rheinland-Pfalz fiel). Es gliedert sich in die Reg.Bezz. Kassel und Darmstadt.
Landesgeschichte. Die geschichtliche Entwicklung der einzelnen Teile der Landgrafschaft Hessen vollzog sich recht unterschiedlich. Nach dem Tode des Landgrafen Philipp des Großmütigen (1509—1567), der seit 1526 die Reformation in Hessen eingeführt und 1527 die Universität Marburg gegründet hatte, kam es zu einer Aufteilung des Landes unter seine vier Söhne. Seit dem 17. Jahrhundert bestanden nur noch zwei Linien, eine ältere, Hessen- Kassel, und eine jüngere, Hessen-Darmstadt, die sich fortan getrennt entwickelten.
1. Hessen-Kassel, 1803 in ein Kurfürstentum (Kurhessen) umgewandelt, 1807—1813 Bestandteil des Königreichs Westphalen, überlebte als einziges Kurfürstentum das alte Reich. Dem Deutschen Zollverein schloß es sich bereits 1833 an. Im Deutschen Krieg 1866 stellte es sich auf die Seite Österreichs und wurde nach dessen Niederlage von Preußen annektiert.
2. Die alte Grafschaft Nassau zerfiel seit dem 13. Jahrhundert bereits in zwei Hauptlinien. Das Herzogtum Nassau (Hauptstadt: Wiesbaden), das 1866 ebenfalls auf österreichischer Seite kämpfte und von Preußen annektiert wurde, war 1806 im Rahmen des Rheinbundes entstanden durch Zusammenschluß der beiden Zweige der Walramschen Linie Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg; es hatte 1815 sein Gebiet erweitern können durch Dillen- burg, Hadamar und Beilstein, die zum Stammbesitz der Ottonischen Linie zählten. Das der Ottonischen Linie gehörende Fürstentum Siegen dagegen fiel an die preußische Provinz Westfalen. 1835 war das Herzogtum Nassau dem Deutschen Zollverein beigetreten.
3. Die alte Reichsstadt Frankfurt, seit 1815 eine der vier freien Städte des Deutschen Bundes und Sitz des Bundestages, seit 1836 Mitglied des Zollvereins, war 1866 gleichfalls einer der österreichischen Verbündeten und mußte nach der Beendigung des Krieges, wie alle Gebiete nördlich des Mains, die Annexion durch Preußen hinnehmen.
4. Preußen bildete 1867 die Provinz Hessen-Nassau mit den Reg.Bezz. Kassel und Wiesbaden. Sie umfaßte außer Kurhessen das Herzogtum Nassau, die bayrischen Bezirke Gersfeld und Orb, die darmstädtischen Kreise Homburg, Biedenkopf und Vöhl sowie die Freie Stadt Frankfurt.
1929 wurde die Provinz Hessen-Nassau erweitert durch das Land Waldeck (Hauptstadt: Arolsen). Waldeck, seit 1631 mit der Grafschaft Pyrmont vereinigt, war 1807 dem Rheinbund, 1815 dem Deutschen Bund und 1838 dem Zollverein beigetreten. 1867 war seine Verwaltung an Preußen übergegangen.