BREMEN
Vorbemerkung
Die Freie Hansestadt Bremen, das kleinste Land der Bundesrepublik Deutschland, umfaßt die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven.
Ursprünglich erzbischöfliche Residenz, aber seit dem Spätmittelalter als Mitglied der Deutschen Hanse recht selbständig handelnd, wurde Bremen 1646 kaiserlich freie Reichsstadt und 1806 mit Auflösung des Deutschen Reiches als freie Hansestadt souverän. 1810 erlitt es wie Hamburg und Lübeck das Schicksal, als „bonne ville de l'Empire" dem französischen Kaiserreich einverleibt zu werden. Und wie Hamburg, Lübeck und Frankfurt wurde Bremen nach den Befreiungskriegen 1815 als eine der vier freien Städte Mitglied des Deutschen Bundes. 1867 trat es dem Norddeutschen Bund bei, 1871 wurde es ein Bundesstaat des Deutschen Reiches, und 1888 endlich vollzog es — bisher noch Zollausland — wie Hamburg den Anschluß an das deutsche Zollgebiet. Nachdem Bremens Reichsunmittelbarkeit wie die der hansischen Schwesterstädte 1919 auch durch die Weimarer Verfassung bestätigt worden war, geriet sie durch die nationalsozialistischen Reichsreform- pläne in ernste Gefahr: Die Hansestadt wurde zusammen mit Oldenburg einem Reichsstatthalter (Gau Weser-Ems) unterstellt, eine Verbindung, die nach 1945 indes wieder aufgehoben wurde; obwohl am Ende des Zweiten Weltkrieges von englischen Truppen besetzt, kam Bremen als Nachschubbasis der US-Streitkräfte zur amerikanischen Besatzungszone und erlangte 1947 seine Selbständigkeit als Stadtstaat zurück.
Nach Hamburg ist Bremen heute der wichtigste deutsche Seehafen. Die Voraussetzung dafür wurde durch Bürgermeister Johann Smidt geschaffen, der durch geschickte Verhandlungen 1827 von Hannover einen Landstreifen am rechten Ufer der Wesermündung erwarb. Hier entstand die bremische Hafenstadt Bremerhaven, unbehindert durch die oldenburgische Konkurrenz, die bestrebt gewesen war, den Fernhandel ganz von dem wegen der Versandung der Weser für Seeschiffe damals nicht mehr erreichbaren Bremen weg nach Brake zu ziehen. In unmittelbarer Nähe Bremerhavens entwickelten sich die hannoverschen bzw. preußischen Städte Lehe und Geestemünde, die sich 1924 zur Stadt Wesermünde zusammenschlossen. 1939 wurden durch einen Gebietstausch acht Bremen benachbarte preußische Gemeinden an die Hansestadt abgetreten, während Bremerhaven -— mit Ausnahme des seit 1938 stadtbremischen Überseehafengebietes — an Preußen fiel und in Wesermünde eingemeindet wurde. 1947 kam die ganze als Handels- und Fischereihafen hervorragende Stadt unter dem Namen Bremerhaven an die Freie Hansestadt Bremen, die ihrerseits, indem sie durch Korrektion der Unterweser wie Anlage und laufenden Ausbau der 'stadtbremischen Hafenanlagen dem Regelfrachter des Weltverkehrs wieder seeschifftiefes Fahrwasser nebst Umschlagplätzen weit landeinwärts verschaffte, ihren Rang als schneller Eisenbahnhafen behauptet hatte und die katastrophalen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges in einem großen Wiederaufbauwerk beseitigte.