Teil eines Werkes 
2,1 (1972) Führer durch die Quellen zur Geschichte Lateinamerikas in der Bundesrepublik Deutschland / bearb. von Renate Hauschild-Thiessen u. Elfriede Bachmann
Entstehung
Seite
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BERLIN (WEST)

Vorbemerkung

West-Berlin besteht aus dem amerikanischen, britischen und französischen Sektor. Nachdem die Reichshauptstadt 1945 von den alliierten Besatzungs­mächten viergeteilt, einer Alliierten Hohen Kommandantur unterstellt und zum Sitz des Alliierten Kontrollrats bestimmt worden war, führte der politische Ost-West-Konflikt, der 1948 das Ausscheiden des sowjetischen Vertreters aus dem Kontrollrat und die Blockade Berlins zur Folge hatte, zur immer stärkeren Isolierung des russischen Sektors (Ost-Berlin), der eigen­mächtig zurHauptstadt der DDR" erklärt und 1961 durch die sogenannte Berliner Mauer völlig von den westlichen Stadtteilen getrennt wurde. Ebenso­wenig wie Ost-Berlin bisher völkerrechtlich zur DDR gehört, ist West-Berlin ein integrierender Teil der Bundesrepublik Deutschland, solange die in seiner Verfassung von 1950 und im Grundgesetz der Bundesrepublik ausge­sprochene, aber durch die Besatzungsmächte dann vorerst suspendierte Zu­gehörigkeit zur BRD alselftes Land" es ist seither im Bundestag und Bundesrat nur durch nicht stimmberechtigte Mitglieder vertreten nicht völkerrechtlich anerkannt ist.

Landesgeschichte. Berlin war seit 1486 ständiger Regierungssitz: zunächst der brandenburgischen Kurfürsten, dann der preußischen Könige und seit 1871 der deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern.

Die Hohenzollern, seit 1415 Kurfürsten der Mark Brandenburg, verstanden es, ihr Gebiet im Laufe der Zeit beträchtlich zu erweitern. Johann Sigismund wurden 1614 Kleve, Mark und Ravensberg zugesprochen; vier Jahre später, 1618, erhielt er durch Erbfall Ostpreußen als polnisches Lehen. Friedrich Wil­helm, der Große Kurfürst (16401688), der eigentliche Begründer des branden­burg-preußischen Staates, konnte 1648 im Westfälischen Frieden Hinter­pommern erwerben und dazu die Bistümer Cammin, Halberstadt und Minden sowie die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg, das ihm 1680 endgül­tig zufiel. Zudem erreichte er 1657/1660 die Beseitigung der polnischen Lehnsoberhoheit über Ostpreußen.

Friedrich III., der Sohn des Großen Kurfürsten, krönte sich am 18. Januar 1701 in Königsberg zumKönig in Preußen" (Friedrich I.). Unter seinen Nachfolgern Friedrich Wilhelm I. (17131740) und Friedrich II. dem Großen (17401786) wurde nicht nur der Staat im Innern gefestigt, sondern es kamen auch weitere Gebietserwerbungen hinzu: 1720 der östliche Teil des bis dahin schwedischen Vorpommerns mit Stettin; 1742, während des Ersten Schlesi­schen Krieges gegen Österreich, Schlesien und die Grafschaft Glatz; 1744 durch Erbfall Ostfriesland; 1772 durch die erste polnische Teilung West­preußen (ohne Danzig), das Ermland und der Netzedistrikt. 1791 fielen die fränkischen Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth an Preußen; 1793 bzw. 1795 durch weitere Teilungen Polens auch Danzig und Thorn sowie weite polnische Gebiete bis nach Warschau hinein.

Die Niederlage, die Preußen im Kampf gegen Napoleon 1806 in der Schlacht bei Jena und Auerstedt erlitt, führte vorübergehend zum Zusammenbruch des