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Geschichte Bremerhavens / von Georg Bessell
Entstehung
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Zwölftes Kapitel: Von 1880 bis zur Gegenwart

halb von 9 Jahren waren Ii Schnelldampfer in Dienst gestellt worden. Keine andere Gesellschaft erreichte auch nur die Hälfte dieser Zahl: die General Transatiantique in Le Havre besaß 4, die Cunard-Linie nur 3. Bereits 1883 konnte ein wöchentlicher Schnelldampferver­kehr eingerichtet werden. Von 1886 an fuhren zwei, seit 1890 wäh­rend der Hauptreisezeit sogar 3 Schnelldampfer in der Woche von Bremerhaven nach New York. Lohmann hatte sein Ziel erreicht: der Norddeutsche Lloyd war auf dem Gebiete der Passagierfahrt die erste Reederei der Welt geworden.

In dem gleichen Jahrzehnt errang der Lloyd in scharfem Konkur­renzkampf mit Hamburg noch einen weiteren großen Erfolg. Im März 1885 hatte der Reichstag auf Antrag des Bundesrates die Ein­richtung staatlich subventionierter Reichspostdampferlinien nach Ostasien und Australien beschlossen. Es entstand nun die Frage, welcher deutschen Reederei die Ausführung des Planes übertragen werden sollte. Zwei Angebote waren eingegangen: aus Hamburg von den drei zu diesem Zweck vereinigten Firmen Deutsche Dampf­schiffs-Reederei, A. Woermann & Co. und R. M. Sloman & Co., Gesellschaften, die bereits Verbindungen nach den in Betracht kom­menden Ländern unterhielten, und aus Bremen vom Norddeutschen Lloyd. Nach eingehender Prüfung entschied sich die Reichsregie­rung für Bremen. Zwar hatte der Lloyd damals noch keine Linien nach Ostasien und Australien, aber er war von den beiden Bewerbern zweifellos der leistungsfähigere. Dennoch waren auch für ihn die Anforderungen, die durch die neue Aufgabe an ihn gestellt wurden, beträchtlich. Es handelte sich um die Ausdehnung des Liniennetzes auf zwei neue Erdteile, die bis dahin ganz außerhalb seines Wirkungs­feldes gelegen hatten. Nach beiden Ländern sollte zunächst alle vier Wochen ein Dampfer abgefertigt werden. Über die Linienführung sowie über die Größe, Ausrüstung und Schnelligkeit der Schiffe ent­hielt der Kontrakt genaue und scharfe Bestimmungen. Auch mußte der Lloyd sich verpflichten, die auf diesen Linien neu einzustellenden Dampfer nur auf deutschen Werften bauen zu lassen. Die Folge davon war, daß schon 1886 die Aufträge des Lloyd an deutsche Werften denen für ausländische Werften dem Werte nach fast gleich kamen und sie vom folgenden Jahre an mit kurzen Unter­brechungen stets übertrafen, während noch 1884 drei Viertel aller