Einmischung Englands in den bremisch-hannoverschen Streit
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viel mehr als 40 Morgen zur unbeschränkten Verfügung erhalten hätte. Darauf weigerte sich natürlich der Senat einzugehen und verlangte zum mindesten eine bedeutende Verkleinerung des Fortrayons. Die Beratungen, die darüber im Schöße der hannoverschen Regierung gepflogen wurden, gingen in dem üblichen Tempo vor sich. Da verlor endlich, Anfang Januar 1861, sogar der Bremer Senat die Geduld. In seinem Auftrage fragte Duckwitz an, ob Hannover bereit sei, noch im Laufe des Januars den vor zehn Jahren abgeschlossenen Vertrag ohne neue erschwerende Bedingungen zu erfüllen; wenn das nicht der Fall sei, so werde Bremen die Entscheidung des Streites durch den Bundestag beantragen. Der hannoversche Kommissar, Oberst Schomer, an den sich Duckwitz gewandt hatte, versuchte noch einmal zu beschwichtigen. Aber diesmal blieb der Senat fest. Hannover ließ, um das Dekorum zu wahren, die Frist verstreichen — aber dann gab es nach. Denn inzwischen war die Sache, wie Gildemeister schrieb, „piquant" geworden: die englische Regierung hatte sich eingemischt.
Es waren zu dieser Zeit Verhandlungen im Gange über die Ablösung des Elbzolls bei Stade, der 40 Jahre nach der Aufhebung des Elsflether Zolles, seines Gegenstückes, noch immer die Seeschiffahrt belästigte. Nachdem wenige Jahre vorher die Weserzölle, der Sundzoll und andere mittelalterliche Verkehrsbeschränkungen endlich gefallen waren, hatte nun auch Hannover den modernen wirtschaftlichen Forderungen und dem Drängen der Seemächte Rechnung tragen müssen und sich zum Abkauf des Zolles für 3 100 000 Taler bereit erklärt. Diese Summe sollten die in Betracht kommenden Staaten je nach ihrer Beteiligung an der Elbschiffahrt aufbringen. Bremen, auf das 40 000 Taler entfielen, weigerte sich nun, den Betrag zu bezahlen, solange Hannover nicht seine Verpflichtungen bei Bremerhaven erfüllt habe. Dadurch kam die Angelegenheit ins Stok- ken, und das war nicht nur den Hamburgern, sondern vor allem auch den Engländern, deren Handel mit Hamburg ja sehr bedeutend war, unangenehm. Eines Tages fragte nun Lord Wodehouse — damals Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, später als Graf von Kim- berley lange Kolonialminister — im Salon bei Lady Palmerston den hanseatischen Gesandten Rücker nach den Gründen des bremischen Widerstandes. Rücker gab die nötige Aufklärung. Darauf holte Lord 29