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Fünftes Kapitel: Der Vertrag mit Hannover
Abschluß des Vertrages nicht mehr aufschieben, es könne bis dahin doch allzu leicht „allerlei in die Quere kommen, zumal da alle, die sich bis jetzt mit der Angelegenheit so vertrauensvoll beschäftigt, sterbliche Menschen sind". „Unter weit mißlicheren Umständen", heißt es dann weiter, „und bedeutenderen Schwierigkeiten bei der Verhandlung ist ein dieselbe fördernder guter Genius niemals ausgeblieben, sobald man sich nur im Vertrauen auf sein Einfinden zu rechter Zeit ans Werk machte. Warum sollte er denn diesmal fehlen?" So kündigte er seine Ankunft bereits für den folgenden Tag an: am 24. Dezember, einem Sonntag sogar, reiste er ab, um schon in den Weihnachtstagen bei seinen ersten Besuchen dies und jenes mit den Ministern und Kabinettsräten besprechen zu können.
Es stellte sich heraus, daß die Umstände auch diesmal mißlich und die Schwierigkeiten wiederum bedeutend waren. Aber freilich auch der „fördernde gute Genius" war schließlich wieder zur Stelle, und wenn auch öfter als jemals vorher der Abbruch drohte, so kam man zuletzt doch noch schneller, als man erwartet hatte, zum Ziel.
Man war in Hannover wieder einmal äußerst bedenklich, jetzt um so mehr, da es sich ja um den endgültigen Abschluß handelte. Die Angst vor dem Grafen Münster war immer noch sehr groß. Jetzt galt es, seine Zugeständnisse ja nicht falsch, ja nicht zu weitgehend auszulegen. Dazu kam, daß der Minister von Bremer die Einzelheiten nicht mehr hinreichend im Gedächtnis behielt. Er werde alt, erklärte er selbst und ließ fast alles durch Rose machen; aber die letzte Entscheidung mußte er doch immer selber übernehmen. So gingen die Verhandlungen zuerst nur sehr langsam vorwärts. Das war um so unangenehmer, weil allmählich überall sich Gerüchte verbreiteten und Unruhe und „Sensation" erregten. Die Leher wurden „ganz wild", wie Regierungsrat Haltermann an Smidt erzählte; die Geestendorfer fürchteten, sie müßten bremisch werden; ein Bremer Spediteur in Brake beschwor den Senator Heineken, ihm mitzuteilen, was an dem Gerede vom „Wiederaufbau der Carlsstadt" Wahres sei, damit er sein Geschäft rechtzeitig dahin verlegen könne. Heineken sprach bereits von der „leider zu früh bekannt gewordenen Sache" und fürchtete, der böse Feind würde jetzt die beste Gelegenheit haben, sein Unkraut unter den Weizen zu säen; Mosengel sei früher in oldenburgischen Diensten gewesen und habe noch viele Bekannte