Der Kampf um den Elsflether Zoll
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dort überhaupt noch nicht ■— „zu einem stattlichen portum oder Hafen zu merklicher Vorsetzung dero Schiffahrt und Commerzien aptieren" wolle, dazu die stete Beteuerung, es sei sein Strom, der „durch" sein Land hindurchfließe: das alles hatte schließlich Eindruck auf die Kurfürsten und den Kaiser gemacht. Nach zwölfjährigem diplomatischen Kampfe hatte Anton Günther sein Ziel erreicht und 1624 mit der Zollerhebung begonnen. Aber bei diesem Kampfe um ihre dringendste Lebensnotwendigkeit ist in der Stadt noch einmal etwas von der alten Tatkraft erwacht, mit der sie so oft die Freiheit ihrer königlichen Straße verteidigt hatte. A4an war entschlossen, die Eintreibung des Zolles mit den Waffen zu verhindern, und ein volles Menschenalter hindurch ist Bremen das auch gelungen. Seine „Or- logschiffe" erschienen vor der Zollstätte — die anfangs zu Brake, erst später bei Elsfleth lag—, und sie blieben dort, „Fanfaren blasend und kanonierend, unbekümmert darum, ob ihre Kugeln eines Oldenburgers Leben und Gut gefährdeten", und nur wenn gelegentlich ■— es war noch während des Krieges — ein dänisches bewaffnetes Schiff heraufkam, mußten die Bremer sich zurückziehen. Aber im stolzen Bewußtsein ihrer seemännischen Überlegenheit über Oldenburg rühmten sie sich laut, sie wollten dem Grafen nicht mehr Recht an der Weser zugestehen, „als er mit dem Gaul bereiten und mit dem Schwert erreichen könne".
Daneben war auch der diplomatische Kampf trotz der kaiserlichen Entscheidung von neuem eröffnet, und wie es dem Charakter der Zeit entsprach — es ist die Epoche der großen Perücken und des literarischen Schwulstes, die Zeit des Barock — verteidigten beide Parteien ihren Standpunkt in zahlreichen Schriften von gewaltigem Umfang. Wenn Oldenburg seine Ansprüche mit 406 Punkten zu belegen wußte, so übertrumpften es die Bremer auch darin und bewiesen ihr Recht mit 685 „Verteidigungs- und Vernichtungsartikeln".
In diesem Zusammenhange finden wir zum erstenmal, ganz flüchtig und schattenhaft, schon den Gedanken angedeutet, durch dessen Verwirklichung später Bürgermeister Smidt die oldenburgischen Bedrohungen zunichte machte. Genau zweihundert Jahre vor der Vollendung des Baus von Bremerhaven wird 1630 von bremischer Seite einmal darauf hingewiesen, wieviel sicherer und bequemer im Vergleich zu den — bis dahin erst angekündigten — neuen oldenburgi-