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eingesammelt, sodaß Ihr die Sachen später w uatui-a betrachten könnt. In Ober- und Unterlippe werden häufig eiserne oder kupferne nadelartige Schmuckgegeustände oder geschliffene Quarzstückchen getragen, was namentlich beim Sprechen sehr sonderbar aussieht. Dazu kommen noch andere Sonderbarkeiten. So ist z. B. der Häuptling Para, der uns oft mit seinem Besuche beehrt, nicht nur mit den mannich- fachsten bizarrsten Zaubermitteln, sondern auch mit großen Klingeln behängt, sodaß er immer unter schlittenpferdartigem Geläut einherstolzirt. Diese Musik begleitet er mit fortwährendem Zähneknirschen, das auch die einzelnen Sätze seiner Reden anmuthig unterbricht und wahrscheinlich einen schrecklichen oder majestätischen Eindruck machen soll. Ein Sklave trägt ihm stets ein großes Horn nach, das ebenfalls wie die Kinkerlitzchen, die an ihm selbst herumbaumeln, „große Medicin" ist. Uebrigens sind die Hollo-Hollo entschieden industrieller als die Wanjamwesi, und ihre Kleidungsstücke, Matten, Körbe, Schnitzereien oft wirklich hübsch und geschmackvoll verfertigt. Unter letztern sind menschliche Figuren als Fetische, Stühle mit Fratzen und die merkwürdigen kleinen Kopfstützen beachtungswerth, welche jeder mit sich herumträgt, um beim Liegen nicht seine kostbare Frisur zu ruiniren.
27. Juli 1883.
Reichard kam schon am folgenden Tage nach seinem Abmarsch zurück, da er bei dem Neste, wo er sein Lager aufgeschlagen hatte, keine Spur der Soko fand, und außerdem kein Essen für die Leute zu bekommen war. Die Bewohner waren vor Angst fast gestorben, obgleich Reichard nur mit geringer Begleitung gekommen war. Ein Theil der im hiesigen Dörfchen wohnenden Leute war gleichfalls aus Angst nach einem nördlich gelegenen Ort beim Cap Tembwe ausgewan-