35. An seine Schwester.
Qua-Mpcila, 24. Juli 1883.
Reichard ist gestern früh wieder auf die Sokojagd abgezogen, und so sitze ich allein hier auf der neuen Station, da ich zu anstrengenden Jagd- und sonstigen Unternehmungen noch nicht brauchbar bin, zumal dummerweise zwei von meinen Wunden oberflächlich wieder aufgegangen sind. Ich konnte factisch erst am 12. Juni endlich das Bett in Karema verlassen, auf dem ich 2^2 Monate in öder Langeweile hingebracht. Das Gehen hatte ich völlig verlernt; ich konnte mich anfangs nur unter ganz greulichen Schmerzen in den Fußsohlen, Knien, allen Gelenken, Sehnen und Muskeln und außerdem mit einem noch fast völlig steifen Bein mühsam am Stock einige Schritt weiterschleppen. Nur ganz allmählich wurde es etwas besser, und als am 25. Juni unvermuthet die Dau von Marnngu zurückkam, konnte ich schon wieder etwas, wenn auch noch sehr mangelhaft, in der Nähe umherklettern.
Am 29. Juni früh brach ich mit allen unsern in Karema verbliebenen Leuten auf; von diesen wurden außer einigen Weibern und Kindern nur noch einige als Ruderer (das Schiff verlangt, wenn kein Wind, 20 Ruderer, die sich zu 10 und 10 ablösen) ins Schiff genommen, während die übrigen vorläufig per peäes nach Kiranda gingen. Gleich im Cambi Jngresa, das ich in einem frühern Briefe erwähnte, mußten wir indeß liegen bleiben, weil das Schiff stark Wasser gezogen hatte und noch kalfatert werden mußte. Am 30. fuhren wir dann' noch in der Dunkelheit ab. Der See ging sehr hoch, die Wellen brachen sich mit dumpfem Donnern an der jäh abfallenden Steilküste, das Schiff tanzte auf den Wassern auf und ab, und bald wurden denn auch die „Damen" gründlich vom inal äs msi- heimgesucht, sodaß sie unter all dem Glanz ihrer bunten Perlenschnüre, mächtigen
Böhm. 11