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15. Mai 1883.
Noch heute liege ich wie zuvor fest im Bett, ja habe noch nicht einmal die Aussicht bald davon erlöst zu werden! Erst am 8. dieses Monats, nach zwölftägiger Abwesenheit, kam Reichard zurück. Sie hatten mit gutem Winde 15 Stunden zur Ueberfahrt gebraucht und dann lange, nordwärts vom Gebiet der wilden höchst eigenthümlichen Hollo-Hollo, nach einem passenden Platz zur Anlage der neuen belgischen Station gesucht, bis ein solcher an der Mündung des Lufuko gefunden wurde. Bei der Rückfahrt überfiel ein starker Gewittersturm das Schiff mitten auf dem See, der Regen stürzte in solchen Massen herunter, daß man nicht einmal das Fahrzeug übersehen konnte. Reichard, der auch das Segeln gründlich versteht, hatte seinen Leuten ein baldiges schnelles Umspringen des Windes angekündigt, die Taue waren indeß nicht ganz in Ordnung, und als der Sturm plötzlich einsetzte, verwickelten sich einige, das Schiff lag in: Nu total auf der Seite, und das Wasser stürzte bei dem sehr hohen Seegang mit Gewalt über Bord. Reichard glaubte, nun sei der letzte Augenblick da, indeß richtete sich die Dau noch glücklich wieder auf. Weitab von Karema kamen sie dann ganz entzwei vor Erschöpfung an das diesseitige Ufer.
Reichard's Erzählungen von dem hohen, zum Theil jäh in den See abfallenden Gebirge drüben, von den prachtvollen Wasserfällen, welche von hoch oben herabstürzen, den vielen Flüßchen und Bächen, mit ihrem Saume von Oelpalmen und dichtem köstlichen Uferwald, den bisher noch nie gefundenen Thieren, dereü Anwesenheit er dort constatirte, erweckten mich wieder aus der Apathie, in die ich mich geradezu hinein- gezwnngen hatte, um den Contrast zwischen meinem ehemaligen und jetzigen Dasein zu vergessen, und machte die Resignation, mit der ich mich schon in den Gedanken hineingefunden hatte, allein hier zurückzubleiben, allein hier noch
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