— 145 —
32. Ä,n seine Mutter.
Karema, 28. April 1883.
.... Wie es kommt, daß ich noch immer hier in Karema, der belgischen Station, liege, das erfährst Du alles aus meinem Briefe an Ernst, in dem ich über die betreffenden Ereignisse ausführlich berichtet habe. Hier also nur soviel zur nöthigen Orientirung, daß ich am 26. März bei der Erstürmung von Katakwa zwei Kugeln durch den rechten Oberschenkel bekommen habe und seitdem hier fest an meinen Wunden, durchgehends Fleischschüsse, niederliege, indeß auf dem Wege der Heilung, die freilich sehr, sehr langsam vor sich geht, begriffen bin. Da ich nun infolge dessen seit dem 28. März, an dem ich hierher gebracht wurde, ein unbeschriebenes Blatt im Hinblick auf Erlebnisse bin, die Quälerei monatelangen Liegens, kaum ohue sich bewegen zu können, ebenfalls in dem Schreiben an Ernst etwas ausgemalt habe, so muß ich mich für alle andern begnügen einfach ihre lieben Briefe zu beantworten. Zeit habe ich ja dazu nun leider Gottes mehr als genug, und die Erledigung meiner Corre- svondenz wird wenigstens über einige der endlosen Stunden hinweg helfen, zumal jetzt, wo ich „mutterseelenallein" hier in Karema liege, wie Du wiederum in dem Briefe an Ernst auseinandergesetzt finden wirst.
Alle Euere Briefe mit den Ausdrucken herzlichster Theilnahme für mein allerdings recht schweres Geschick und der Schilderung der eifrigen freundlichen Thätigkeit für mich haben mir seht wohlgethan. Ich hatte ein solches allgemeines und weitgehendes Verständniß meiner Verluste in der That nicht erwartet, bin aber wirklich zu wenig anspruchsvoll und besonders durch das hiesige Leben zu objectiv, um nicht die Ausdrücke der Bewunderung für meine Ausdauer und Energie für viel zu weitgehend zu halten. Indem ich den Tod rechts
Böhm. 10