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Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
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kam, wurde eben durch ceremonielle Abschlachtung eiuer Ziege die officielle Ehescheiduug zwischen ihr und ihrem Gemahl vollzogen. Ueber das Opferthier hinweg schritt ich, der Zer- reißer dieser zarten Bande, um mich in der Stockdunkelheit und dem erstickenden Qualm der engen Hütte neben die augenscheinlich etwas eingeschüchterte Sultana zu setzen und ihr einige dem Ernst der vor sich gehenden Handlung an­gemessene Redensarten zn sagen. Den Gesandten, die mir die Verbannung des Manamiäga anzeigten, hatte ich gesagt, ich sei vorläufig zufrieden! Uebrigens ist bisher alles ohne weiteres Morden abgegangen; wir wollen sehen, ob wir sie weiter damit im Zaum halten können.

'Gouda, 8. August 1882.

Kaiser geht noch heute uach Tabora, um Zeug einzu­kaufen, und macht dann eine Explorationstour nach dem Süd­osten des Tanganjika. In Karema, der belgischen Station, treffen wir uns dann alle drei, denn wir gehen jetzt ganz ins Innere, an den Moerosee, weit jenseit des Tanganjika, also nach dem echten Centralafrika, in Länder, die erst eines Weißen Livingstone's Fuß betreten hat. Reichard und ich benutzen dabei einen großen Elfenbeinhandelszug, deu Reichard auf eigene Kosten dorthin unternimmt. Unsere Karavane wird 150 Gewehre führen und circa 60 Krieger, darunter viele Nuga-Ruga, als Bedeckungsmannschaften haben. Ist es möglich, d. h. können uns vor allem Waaren nach­gesandt werden, so bleiben Kaiser und ich ganz dort, während Reichard zunächst mit dem eingehandelten Elfenbein nach der Küste zurückgeht. Jetzt müssen wir nur noch die Ankunft eines Transportes von Gewehren von der Küste abwarten, dann geht es fort. Ich schreibe jedenfalls noch einmal von hier oder vom Fluß, wo ich warten will, das Nähere.