Druckschrift 
Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
Entstehung
Seite
107
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1. August 1882.

In Gonda ist nun, wie ich aus einem Zettel der Collegen ersehe, Discha glücklich Mtemi geworden. Ohne unser Drängen zu einer Entscheidung hätte sie noch Jahre warten können, wenn es überhaupt dazu gekommen wäre. Schon am Fluß wurden wir durch die Gesandtschaft benachrichtigt, daß sie gefangen" sei. Nach dem mehrere Tage lang dauernden großen Nath aller Waniapara, Abgesandten u. s. w. wird nämlich der Thronfolger gepackt und in sein Haus geschleppt, wo er bis zum nächsten Neumond bewacht und gefangen gehalten wird. Die Sitte verlangt, daß er sich dabei auf das äußerste sträubt, heult und schreit, sonst gilt er für herrsch­süchtig! Wir sind officiell und feierlich zuMitsultaneu" fest eingesetzt. Nun war da immer noch der bewußte sehr schurkische Gemahl der Discha Manamiäga. Die Gesandten am Fluß, die wir zur Rede stellten über sein freies Herum­laufen, nachdem er von den Arabern in Tabora zum min­desten hätte eingesperrt werden sollen, behaupteten, Manamiäga sei aus Gonda geflohen und verbannt. Aber siehe da, als ich hinkam, war er noch da, obwol in beständiger Todesangst; so hatte er z. B. eines Nachts, als irgendein ceremonielles Getöse erhoben wurde, jämmerlich gefragt, ob es ihm nun an den Kragen ginge, worauf ihm unser berühmter, rede­gewandter Akida sagte,er könne ganz ruhig sein, denn nach ihm sehe doch niemand, er sei nur so wie ein Huud, der herumliefe". Mir war indeß die Anwesenheit dieses be­trügerischen, falschen und feigen Menschen durchaus nicht recht und ich erklärte deshalb dem mich begrüßenden Mniapara unter Vorwürfen wegen seiner Lügen, ich würde nachher die Discha besuchen uud sollte ich irgendwo Manamiäga sehen, so würde ich ihn auf der Stelle zusammenschießen. Das wirkte! Eine Stunde später war Manamiäga wirklich aus Gonda verbannt und bereits fort, und als ich zum Haus der Discha