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den Wagogo und in die Region der Nuga-Ruga (Räuber) geht. Jedenfalls sehe ich das braune Mischlingsgesicht des Herrn Unteroffiziers Nvmnbe bin Kadi der Zeltthür gegenüber unter einem Strohdach erscheinen, wie er in afrikanischer Gemüthlichkeit ein dickes Stück Zuckerrohr kaut als wäre gar nichts vorgefallen.
Kaiser leidet seit ein paar Tagen an Dysenterie, scheint sich aber wieder auf der Besserung zu befinden; Neichard hat einen leichten Fieberanfall gehabt, sonst glücklicherweise keine ernsthafte Krankheit bei uns! Dagegen sind mehrere unserer Pagazi und Ascari schon krank zurückgeblieben oder umgekehrt. Wir mediciniren tüchtig darauf los, und der Medicinkasten ist kaum einmal geöffnet als auch von allen Seiten Leidende herbeiströmen, denen es, wer weiß wo, weh thut und die mit irgendeiner in Wahrheit sehr unschädlichen, in ihren Augen aber höchst segensreichen „Dhaua" abziehen. Zuweilen hat auch ein Messerspitzchen irgendeiner gänzlich indifferenten Substanz, wie Citronensäure oder etwas Aehnliches, die merkwürdigste Wirkung, und der Patient erscheint am andern Tage ganz gesund und erklärt die Dhaua für „^suia. sana", d. h. sehr gut! Neuerdings erhalten wir da, wo die Sache noch ungewöhnlicher und seltener als in der Küstengegend ist, von den Eingeborenen auch Eier u. dgl. sür unsere Euren, die mit gebührendem Ernst in Empfang genommen werden.
Kirassci, 22. August 1880.
Soeben sind wir wieder ins Cambi eingerückt, das sich diesmal, ebenso wie morgen und übermorgen, „piami" o. h. im Walde, nicht in einer Ortschaft befindet. Nachdem ich einige „clucki", d. h. Insekten und Amphibien, in ihre betreffenden Behälter gesteckt, hole ich mir das Papier aus dem Rucksack, das Tintenfaß von Freund Kaiser, Federhalter aus dem