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Bremen in hygienischer Beziehung / hrsg. von Tjaden. Unter Mitw. der Herren: H. Becker, Böhmert, Delbrück
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Bremen in hygienischer Beziehung.

ganz erhebliche Besserung der früheren zum Teil recht kümmerlichen Ver­hältnisse erzielt worden ist. In den revidierten Schlachtereien mit Motor­betrieb und in Bäckereien bildet das Zusammen- oder Ubereinanderschlafen oder die Benutzung eines Bettes durch mehrere Personen heute eine Ausnahme, die Schlafräume über Backöfen, im Keller oder unter unverschalten Dächern sind selten geworden und die Bereitstellung von Heizung, ordentlicher Be­leuchtung, sowie Waschgelegenheit verschafft sich mehr und mehr Eingang. In den bremischen Ziegeleien sind für die Unterbringung von Wanderarbeitern behördliche Auflagen gemacht worden, die sich auf Größe der gemeinsamen Schlafräume, Zustand der Fußböden und Decken, Reinigungsmethoden mit besonderer Berücksichtigung der Flohplage, Wascheinrichtungen, Anordnung besonderer Speisekammern für die mitgebrachten Lebensmittel und dergleichen mehr beziehen.

Eine Quelle langjähriger Klagen ist durch Aufhebung des Tonnen- Abortsystems und Einführung der Spülklosetts in den letzten Jahren be­seitigt worden. Die früher vielfach frei im Hofe gelegenen ungeschützten Aborte sind jetzt fast durchgängig verschwunden und an deren Stelle solche innerhalb der Gebäude getreten. Die nach einheitlichen Grundsätzen und unter Kontrolle der Baupolizei vollzogene Errichtung hat zweckmäßige und auch in hygienischer Beziehung einwandfreie Anlagen geschaffen, so daß sich die Überwachung nur auf eine genügende Anzahl, auf Reinlichkeit, Zugänglichkeit und Beleuchtung zu erstrecken hat. Wo eine besondere Erkältungsgefahr be­steht, wie z. B. in Bäckereien, Plättereien usw. wird bei Neubauten seitens der Gewerbe-Inspektion auf eine solche Lage der Aborte zu den Arbeitsräumen hingewirkt, daß sie dem Personal ohne Gefahr für Leben und Gesundheit er­reichbar sind.

Die bekannte oft durch die Praxis bestätigte Tatsache, daß die Wider­standsfähigkeit des menschlichen Organismus infolge übermäßigen Genusses alkoholischer Getränke gegenüber gesundheitsschädlichen Einflüssen ganz bedeutend sinkt, ließ die Beschaffung guten und reichlichen Trinkwassers be­sonders dringlich erscheinen. Soweit die Betriebe im Bereich der städtischen Wasserleitungen liegen, war diese Aufgabe im bremischen Staatsgebiet leicht zu lösen, weil es sich hier nur um das Vorhandensein der erforderlichen Zahl von Entnahmestellen, um die erforderliche Isolierung der Leitungen zur Ver­meidung zu kalten oder zu warmen Wassers, sowie Anbringung zweckentspre­chender sauberer Trinkgefäße handelte. Wo außerhalb der Stadtgebiete kein Leitungswasser zur Verfügung steht, da ist durch Aufstellung von Filtern oder auf andre Weise diesen Forderungen Rechnung getragen worden. Ein außer­ordentlich wirksames Mittel, sowohl die direkten Schädigungen durch Alkohol als auch die durch den Genuß desselben erhöhte Unfallgefahr nach Möglichkeit einzuschränken, bildet in zahlreichen hiesigen Betrieben die Verabreichung von Kaffee. Welche Quantitäten dabei in Betracht kommen, erhellt u. a. daraus, daß die AktiengesellschaftWeser" hierselbst in einem Jahre 800 000 Liter ausgegeben hat, eine Menge, welche durch die inzwischen erfolgte Vergrößerung