A. GESCHICHTLICHES ÜBEE DIE GEBIEGS- EICHTUMEF UND IHEEN PAEALLELISMUS.
,ie Erhebungen auf der Erdoberfläche gehören zu den Zügen, die
für das Antlitz der Erde am meisten charakteristisch sind. Die Anordnung dieser Erhebungen und ihre gegenseitigen Beziehungen bilden einen der wichtigsten Faktoren für die Verteilung der meteorologischen Elemente, für die geographische Verbreitung der Pflanzen und Tiere und endlich für den Entwickelungsgang der menschlichen Kultur. Allein eine mehr oder weniger genauere Kenntnis der Gebirge datiert erst aus einer uns gar nicht allzufern liegenden Zeit. Die Gebirgsgruppen standen zu sehr in sieh abgeschlossen da, die vorderen Erhebungen verdeckten dem Beschauer zu sehr die dahinter gelagerten, als dafs man sich unmittelbar ohne Hülfsmittel, ohne Forschungsreisen und Karten eine klare Vorstellung von der Anordnung der einzelnen Gipfel, von ihrem wirklichen Zusammenhange und von ihren Verhältnissen zu den anderen, näher wie entfernter liegenden Erhebungen machen konnte. Die höchsten Erhebungen der Alpen wurden erst Ende des XVIII. Jahrhunderts und die des Himalaya, der Anden und des Kaukasus erst in unserem Jahrhundert entdeckt. Weite Flächen weniger gebirgigen Charakters blieben uns in ihren orographischen Zügen bis auf den heutigen Tag nur sehr mangelhaft bekannt. Erst vor wenigen Jahren wurden so die früheren falschen Ansichten von der uralobaltischen und uralokarpatischen Erhebung im europäischen Rufsland durch die Herstellung einer genauen orographischen Karte 1 widerlegt und die wirklichen Ver-
1 A. A. Tillo, Hypsometrische Karte des europäischen Rufsland. St. Petersburg 1890 (russisch).