V. DEE FLÄMING IN DEß GESCHICHTLICHEN
BEWEGUNG.
Es kann hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, alle die geschichtlichen Ereignisse, von denen der Fläming betroffen worden ist, einer gründlichen und erschöpfenden Behandlung zu unterziehen; denn das würde uns von einer geographischen Betrachtungsweise zu weit abführen. Hier kommt es nur auf den Versuch an, die Hauptgrundzüge in der historischen Bewegung und deren natürliche Bedingungen gerade in unserem Gebiete darzulegen.
Nun ist ja freilich klar, dafs der Fläming nicht in derselben Weise wie ein Hochgebirge oder auch nur wie gewisse Mittelgebirge auf den Gang der Geschichte wirken konnte, dafs er an geschichtlicher Funktion etwa das zu leisten vermocht hätte, was Ratzel in einem neueren Aufsatze 1 von den Alpen nachgewiesen hat. Solche Züge, wie sie der genannte Autor von einem Hochgebirgssystem wie den Alpen zu berichten weifs, aus unserem Plateau herauslesen zu wollen, würde unnatürlich und gekünstelt sein. Auch bei dieser Gelegenheit müssen wir den früher ausgesprochenen Satz betonen, dafs für das norddeutsche Tiefland nicht das Hohe, sondern das Tiefe das Charakteristische und Mafsgebende ist, auch für die geschichtliche Bewegung.
Was beim Vordringen deutscher Kultur und bei der sicheren Beherrschung der Gebiete des östlichen Kolonialreiches durchaus in die Wagschale fällt, das ist einerseits das mächtige Elbthal, das in einem Bogen den Fläming umfafst, und das ist andererseits die mächtige, 70 Quadratmeilen grofse Niederung nördlich vom Plateau, in der sich die mächtigen Rinnen der alten Urströme vereinigen und
1 Ratzel, Die Alpen inmitten der geschichtlichen Bewegung vZtschr d. dtsch. u. österr. Alpenvereins XXVII, 1896 S. 62 ff.).