IV. WIETSCHAFTSGEOGEAPHIE und ANTHBOPOGEOGBAPHIE DES FLÄMINGS.
Mit Recht sagt Ratzel in seiner Anthropogeographie 1 : „Unter dem, was die lebende Natur dem Menschen an Gaben bietet, ist nicht der Reichtum an Stoffen, sondern der an Kräften oder besser gesagt, Kräfteanregungen am höchsten zu schätzen. Diejenigen Gaben der Natur sind für den Menschen am wertvollsten, welche die ihm innewohnenden Quellen von Kraft zu dauernder Wirksamkeit er- schliefsen." Der Fläming ist nun nicht ein Gebiet, das die Natur verschwenderisch ausgestattet hat; stiefmütterlich sind die Gaben, mit denen sie ihn bedacht hat. Aber die Dürftigkeit der wirtschaftlichen Hilfsquellen hat die Kräfte eines Menschenschlags gestählt und zu einer Entfaltung gebracht, die so recht geeignet ist, den Ratzeischen Satz zu bezeugen. Der Fläming ist heute in allen seinen Teilen trotz der Spärlichkeit seiner Naturbedingungen eine Kulturlandschaft!
Was bietet das Plateau seinen Bewohnern an wirtschaftlichen Hilfsquellen? Grofse Bodenschätze, wie sie in verschiedenen Teilen unseres deutschen Vaterlandes auftreten und eine lebhafte Industrie und eine dichtere Bevölkerung erzeugen, fehlen auf unserm Plateau fast vollständig. Der Fläming weist seine Bevölkerung fast aus- schlielslich auf Ackerbau und Forstkultur hin. Das beweist schon seine Bodenbeschaffenheit. Freilich steht die Oberkrume des Plateaus nicht gerade im günstigsten Rufe. Die mächtigen, ausgedehnten Sandflächen sind von jeher berüchtigt gewesen. Doch ist der Boden nicht so schlimm, wie er gewöhnlich hingestellt wird, umsomehr als überall die Möglichkeit geboten ist, durch geeignete Meliorationen
1 Fr. Ratzel, AnthropogeograpMe I, Stuttgart 1882, S. 343.