III. Beiträge zur physikalischen Geographie des Flämings. 151
dung der Glogau-Baruther Hauptrinne vorbereiten. In den so etwas vorgebildeten Einschnitten in die Moränendecke des nördlichen Steilabfalls blieben bei dem weiteren Zurückweichen des Inlandeises vielleicht mit Schutt überlagerte Eismassen liegen. Diese schmolzen langsam ab, wobei der Schutt nachsank, sodafs die ursprünglichen thalförmigen Vertiefungen wieder zur Geltung kamen, nur dafs deren Thalsohle aus noch lockererem Material zusammengesetzt war als der übrige Moränenboden. Andere Faktoren vertieften die begonnenen Bildungen. Wie früher erwähnt 1 , ist die Annahme nicht von der Hand zu weisen, dafs der Fläming vor dem alluvialen Durchbruch der Elbe bei Magdeburg öfters Überflutungen zu erfahren hatte, wobei sicher die Wassermassen die vorgebildeten Rinnen benutzten und das Material in denselben mit nach dem nördlichen Urstromthal nahmen. Aber auch die Schmelzwasser des Frühjahrs und die Hagel- und Gewitterregen des Hochsommers 2 mufsten in einer Zeit, in welcher die noch nicht wieder eingewanderte Vegetation dem Boden keinen Halt geben und die hydrographischen Extreme etwas mildern konnte, viel energischer und intensiver eingreifen als es heute noch geschehen kann, umsomehr als anzunehmen ist, dafs der niederschlagsreichen Glacialepoche eine Zeit gefolgt sein nml's, die zunächst nicht viel niederschlagsärmer war. So rissen die von Zeit zu Zeit eintretenden Hochfluten einen Thalboden nach dem anderen entzwei und schafften, soweit der nördliche Steilabfall in Frage kommt, das Material zur Glogau-Baruther Hauptrinne, wo sie dasselbe wegen der Gefällsveränderung niedersetzen mufsten. Mit der Zeit stellten sich die heutigen Verhältnisse ein. Die verdrängte Vegetation siedelte sich wieder an und verlieh dem Boden eine gröfsere Festigkeit, die Extreme im hydrographischen Charakter des Flämings gleichzeitig mildernd. Auch mufste die Vertiefung der Thalorganismen allmählich soweit fortgeschritten sein, dafs die Erosionskraft gewöhnlicher Hochfluten nicht mehr imstande war, die Rinnen in ein niederes Niveau zu verlegen und gröbere Sedimente zu transportieren. So erklärt es sich, dafs es auch heute nur aufsergewöhnlichen Niederschlagsmengen gelingt, den Thalboden einer Rummel zu zerreifsen und gröberes Material in gröfseren Mengen fortzuführen.
1 Vgl. S. 133.
2 Nach Meitzen, Der Boden und die landwirtschaftl. Verhältnisse d. preufs. Staates u. s. w. I, S. 153 ist heute noch in der Provinz Brandenburg der Südabhang des Flämings neben demjenigen des mecklenburgischen Rückens das am heftigsten von Hagel und Gewittern heimgesuchte Gebiet.