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Beiträge zur Geographie des mittleren Deutschland / hrsg. im Auftrag des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung von Friedrich Ratzel
Entstehung
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IV. DIE ENTSTEHUNG DEE BÖHMEEWALD-

SEEN; ZUGLEICH EINE HISTOEISCH- KEITISCHE ÜBEESICHT DEE KAETHEOEIEEN.

Wenn man in weiter geographischer Verbreitung und zwar in fast derselben Höhenregion Nischen vom Typus der Böhmerwaldsee­kessel eingesenkt findet, so liegt der Schlufs nahe, denselben eine ein­heitliche Genesis zuzuschreiben. Mancherlei geologisch wirksame Kräfte sind für die Erklärung der Karbildung in Anspruch genommen worden, und es sei unsere Aufgabe, über die Entstehung der Böhmerwaldseen zunächst an der Hand der aufgestellten Theorieen zu einem eigenen Urteile zu gelangen.

Die Meinung eines Rozet 1 und D uro eher 2 , dafs wir in den Karen alte Kraterbildungen vor uns haben, bedarf keiner Wider­legung; denn es sind noch nirgends die geringsten Spuren einer vulkanischen Thätigkeit in solchen Kargebieten angetroffen worden. Immerhin soll erwähnt werden, dafs diese Ansicht unter den denkenden Laien im Böhmerwalde noch vielfach verbreitet ist.

Alle übrigen Erklärungsversuche fallen unter 5 Kategorieen, welche sich gründen auf:

1. tektonische Vorgänge,

2. petrographische Verschiedenheit der Gesteine,

3. mechanische Thätigkeit des Wassers,

4. Gletseherwirkung,

5. hydrochemische und mechanische Verwitterung.

1 Kozet, Notice geol. sur la rögion granitique de la chaine der Vosges. Bull, de la soc. geol. 1832/33, S. 131.

2 Nach Penck, Eiszeit in den Pyrenäen. 1884.