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Toilette,
wänder in Schnitt und Faoon sein mochten, so kamen sie doch darin überein, daß sie alle seit alten Zeiten schwarz gefärbt waren, wenigstens bis zum siebenjährigen Kriege scheint dies die herrschende Farbe in Bremen gewesen zu sein, „Als ich in Bremen einfuhr, und mir die Leute auf der Straße betrachtete," sagt ein Engländer, der im Anfange d^s 18. Jahrhunderts in einem sehr interessanten Buche ( „Inö Hei-wan Lp)'") die drei Hansestädte Lübeck, Hamburg, Bremen geschildert hat, „glaubte ich, daß ein großes Sterben in der Stadt geherrscht haben müsse und die ganze Bürgerschaft in Trauer sei. Denn alle Mannspersonen gingen in schwarzen Mänteln und alle Weibspersonen in schwarzen langen Schleiern und Röcken. Mein Reisegefährte aber sagte mir, es wäre dies alle Zeit der Stadt Gewohnheit, da die Bürger von einigem Ansehen des Wohlstandes und die Frauen der Sittsamkeit wegen, wie sie sagten, also gekleidet gingen." Schwarzgefärbte Kleidung war in Bremen so allgemein und wurde so viel gebraucht und verbraucht, daß in Folge dessen die Schwarzfärbereien der Stadt zu großer Perfection und Ruhm gelangten. Sogar aus den Niederlanden und England sandte man im 17. und 18. Jahrhundert die roheu Tücher nach Bremen, um sie dort schwarz färben zu lassen. Nach dem siebenjährigen Kriege, als buntfarbige Kleider aufkamen, geriet!) jener Industriezweig Bremens in Verfall und ist endlich wie die Vorliebe für schwarz gänzlich abgestorben.
Die Bremerinnen trugen in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch die ihnen zukommende uralte Bremer Nationaltracht, ein sogenanntes „Hoiken"^) oder,,Regenlaken". Es war dies ein großes, viereckiges, schwarzes Tuch, welches sie über Kopf und Schultern zogeu, das den ganzen Körper bedeckte und iu das sie sich wie Nonnen einhüllten. Die Frauen und Zungfrauen aller Stände trugen es allgemein, wenn sie sich öf-
5) Das Wort soll nach einigen Etymologen eigentlich „Hödken" zu schreiben und wie das Wort „Hut" von ,,Heiden" „hüten", „bedecken" abzuleiten sein.