19.
Vermischtes ans der Zopfzeit in Lremen.
t. Titulaturen der MrMmMer und Zinthsherren. Vor vierhundert Jahren, als sogar der Kaiser von Rußland nur uoch einen ganz bescheidenen Titel hatte und sich „Seine Wohlgeboren der Zar aller Reußen"^) anreden ließ, da war auch der Titel unserer Bürgermeister und Rathsherren noch sehr einfach. Man machte damals, vor Erfindung der Bnchdruckcrkuust und der neuen Korrespondenz- und Schreibseligkeit, überhaupt noch nicht viele Worte. Der Unterschied der Leute nach Geburt und Amt war gewiß auch damals schon groß uud schroff genug. Aber man begnügte sich mit der Thatsache und mit dem Bewußtsein der höheren Würde. Mau wollte es noch nicht auf jeder Briefadresse lesen, bei jeder Anrede hören, bei jedem Erlasse gedruckt sehen, eben weil man überhaupt noch nicht so viele Briefe, Anreden und Erlasse schrieb, sprach und druckte. Die leidenschaftliche Rangsucht und Titelwuth, welche in ganz Europa im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert grassirte und alle vom Kaiser, dem Oberhaupte der Christenheit, bis zu den Magistratspersonen der kleinsten Stadt herab er-
5) Aus dem Russischen buchstäblich übersetzt: „^svo Kwgoroäuoi VsvrussissKoi".