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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Die Mnrquesns-Inseln. - Die chilenische Ostcr-Insel.

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hergestellt, während die vordere Front ganz offen liegt. Neben jeder Hütte befinden sich Scheunen und Schweinestcille. In dein Vaitü genannten Teile Taiohaes befinden sich ans eigenen,, gut eingezäuntem Grunde die katholische Missionskirche, ein freundliches Gotteshaus, nnd die von Schwestern des heiligen Joseph von Cluny geleitete Schule für 60 weibliche Zöglinge. Die junge Generation ist des Lesens und Schreibens kundig und spricht etwas französisch; doch wurde darüber geklagt, daß der Einfluß der Schule von keiner nachhaltigen Wirkung für die austreteu- dcn Zöglinge sei, denn diese greifen, einmal unbeaufsichtigt, zu ihren alten Gewohnheiten zurück."

Die Ortschaften der übrigen Inseln sind unbedeutend, mit Ausnahme allenfalls von Vailahu an der Westküste von Tahnatu.

6. Die chilenische Kolonie auf der Hster-Inset.

Am 9. September 1888 nahm Chile die von den Franzosen bis dahin als Eigentum be­trachtete Oster-Jnsel (s. Abbildung, S. 181) zum Zweck der Gründung einer Sträfliugskownie in Besitz. Diese Insel hat jetzt nur noch eine Bevölkerung von etwa 200 Köpfen (wenigstens wurden iin Jahre 1892 von Toro 118 Männer und 89 Frauen gezählt) auf einein Aren! von 118 <ikm, woraus sich eine Volksdichte von 1,7 auf das Quadratkilometer ergibt. Bei früheren Besuchen war die Eiuwohuerzahl bedeuteud höher; noch 1870 soll sie etwa 3000 be­tragen haben. Kurz darauf aber führten peruanische Menschenhändler den größten Teil der Oster-Insulaner nach den Chincha-Juseln zur Arbeit in den Guanolagern hinweg, und die Zurückgekehrten schleppten eine Epidemie ein, die die Einwohnerzahl bis ans 900 heraboniclre. Nm dieselbe Zeit (1870) führten chilenische und tahitische Jesuiten etwa 400 Eingeborene nach der Mission auf der Gambier-Gruppe der Paumotn hinweg; weitere 400 übernahm die taiii tische Firma Brander als Arbeiter in den Pflanzungen auf Tahiti und Eimeo. So sind heute nur noch ungefähr 200 Menschen auf der Insel vorhanden, die zu zwei Dritteln in der Ansiede­lung Mataveri, dem Sitz des Vertreters der tahitischen Firma Brander, und zu einem Drittel in Hungaröa oder Aungaroa wohnen. Natürlich sind dem Rückgang der Bevölkerung gemäß auch die Ortschaften spärlicher uud kleiner geworden; noch jetzt kennt man 14 Stätten früherer Besudelung, deren an jeder zugänglichen Bncht eine gelegen haben muß. Die verbliebenen Bewohner bauen Tarö, Tabak, Bananen, süße Kartoffeln, Zuckerrohr, AnanaS, Erdbeeren, züchten Schweine, Hühner, essen Fische und Schildkröten und trinken, wenn Wassermangel herrscht, den Saft des Zucker­rohrs. Die Kleiduug ist mannigfaltig genug aus Resten europäischer Kleider zusammengesetzt, nuo der Handel mit altem Zeug ist der einträglichste. Kcmoes fehlen jetzt ganz, oder es gehören vielmehr die einzigen vorhandenen einem Fremden, dem Tahitier Salmon, der bis 1889 die Firma Brander vertrat. Außer Handel betrieb dieser auch die Viehzucht und unterhielt eine Herde von 12,000 Schafeil, 700Stück Rindvieh und 70Pferden; er löste jährlich 20 Tonnen Wolle aus derSchafzucht.

Der letzte König der Eingeborenen ist in Peru gestorben, die Häuptlinge halten jedoch noch auf diese Würde. Besondere Berufsarten, wie früher, unterscheidet mau nicht mehr, da sich die Rapanui-Leute jetzt nur noch um raschen Erwerb des Lebensunterhaltes kümmem, ihre alten Ge­werbe als Fischer, Götzenbildschnitzer aber aufgegeben haben. Überhaupt ist das Ende des Volkes gekommen, nnd an Stelle der mehr und mehr durch Missionare lind Agenten nach Tahiti und Mnugarewa überführten Eingcboreueu treteil Tahitier uud andere Polnnesier. Über die bis­herige Entwickelung der chilenischeu Strafkolonie ist nichts Günstiges bekannt; die Missionen sind verschwunden, die früher in Wachn errichtete Kirche wird jetzt von den Eingeborenen benutzt. Von 1890 92 vergaß die chilenische Regierung ihre Kolonie überhaupt gauz; seit 1892 leben nur drei Weiße auf der Jusel, jedoch keine Sträflinge.