Kunstverein — Künstlerverein.
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freundliche „obere Halle" ein Recht hat, diesen Namen zu führen. Die nächste Veranlassung dazu gab das Bedürfniß des seit 1856 unter den Auspicien unsres Kunstveterans, des wackern Directors K. A. Ritter, gegründeten Künstlervereines nach einer der großen Zahl seiner Mitglieder, sowie den künstlerischen Anforderungen an dieselben entsprechenden Localität. Im speciellen Einverständniß mit den Bauherrn der St. Petri Domgemeinde sowie aus Grundlage eines des- fallfigen Vertrages zwischen beiden Kontrahenten wurde dann der Umbau im Frühjahr 1857 wohlgemuth in Angriff genommen und bereits den 28. December desselben Jahres konnte die „Künstlerhalle" der Gesellschaft übergeben werden, so daß gegen Ende des vorigen Jahres bereits der zweite Jahrestag der Einweihungsfeierlichkeit Statt gefunden hat.
Unsre Vaterstadt ist durch die Künstlerhalle um ein ausgezeichnetes Bauwerk reicher geworden, wie denn als sicher anzunehmen ist, daß es sich der Künstlerverein als schönste und würdigste Aufgabe Vorbehalten hat, unser Bremen noch mit manch' schönem Werke der Kunst zu bereichern. Ueber das geistige und insbesondere kunstsinnige Streben des jungen Vereines hat man die geselligen Amüsements keineswegs in den Hintergrund gestellt, und durchweht glücklicherweise die gegenseitigen Beziehungen der Mitglieder zu einander eine so herzgewinnende Harmonie, daß gerade in dieser Erscheinung die sicherste Garantie für ein fröhliches Weitergedeihen des schönen Vereins zu finden ist. Von allen Künsten fand sicher die Musik die allseitigste Pflege, und verdienten die Leistungen unsrer strebsamen Tonkünstler sicher die vollste Anerkennung.
Indem wir uns auf das Gebiet der Musik begeben, haben wir die freudige Gcnugthuung, sagen zu können, daß unser Bremen in dieser Beziehung eine Summe ausgezeichneter Kräfte vereinigt, wie sie nicht leicht in einer deutschen Stadt von gleicher Ausdehnung wieder gefunden werden möchte, wenn wir nicht manche Residenzstadt, wo fürstliche Hände in die volle Staatskasse kunstsinnig greifen können, um sich eine ihrem Aufwande entsprechende Hofca- pelle zu unterhalten, in Anschlag bringen wollen.
In unserm Frcistaate spielt „Frau Musika" nicht mit fürstlichen Gagen, sondern macht in „Stundenbillets", sie muß ihr Alltagskleid anhaben und „hanthiren" gehen fein emsiglich von Haus zu Haus, von Piano zu Piano, von Notenpult zu Notenpult: »res publioa liestig, inArsia est". Wir meinen das nicht bös, und unsre Herren Musiker haben sich Gottlob auch noch nicht von Bremens Undank-