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parteiamtliche Tageszeitung
Das flmtsblott des Negierenden Nürgermeisters der Zreien Hansestadt Vcemea
der Nationalsozialisten Vremens
flmtlirkes Verdündungsbiatt des Neichsstatchaiters in llidenvurg und Nremen
Nr. 314 / S. latjrgang
vienstag, 14. November 1SZ9
kinzelpreis 15 Nps.
Iran und Jbn Saud bedanken sich'
knglischeftktton im mittleren listen gescheitert
Ver Pakt von Saadabad erkält kein antirusstsches Vorzeichen
Dr. v. r. Rom, 14. November. Die mit allen Mitteln — Diplomaten, Agenten, Pressionen und Lügcntampagncn — in den letzten Wochen durchgeführte Aktion Englands in den mohammedanischen Ländern wird von italienischen Beobachtern als gescheitert erklärt. Das britische Ziel war, nach dem Tiirkenpakt Aegypten, Saudi-Arabien und Jemen zum Veitritt zum vorderasiatischen Pakt von Saadabad zu bewegen und dieses Paktinstrument des britischen Imperialismus im mittleren Osten durch Ein- bernsung einer Konserenz der Firmatarstaaten zu britischen Gunsten in der gegenwärtigen politischen Situation wirksam werden zu lassen.
Die britische Aktion zeitigte infolge der Weigerung des Iran, Afghanistans wie König Jbn Sauds keine Erfolge, weil sie sich nicht in die britischen Jntrigen im mittleren Osten verstricken lassen wollen. Die antirussische Tendenz des diplomatisch- politischen Manövers Englands wurde in erster Linie in Teheran festgestellt. Gleichzeitig wurde von britischer Seite ein sehr lebhafter Druck auf Aegypten ausgeübt. Dem S a ad ab a d - Pakt beizutreten, ohne daß jedoch bisher sichtbare Erfolge vorliegen, wobei die außerordentlich scharfe britische Zensur in Aogyp- txn dem italienischen Gewährsmann verbot, nähere Angaben über die britischen Jntrigen an die Weltöffentlichkeit kommen zu lassen.
Die Angaben stammen von dem seit Jahren bewährten und gut unterrichteten Kairoer Korrespondenten zahlreicher faschistischer'Zeitungen, Antonio Lovato. Lo- vato stellt fest, daß England trotz der Lügen über türkische Truppenkonzentrationen an der Kaukasus-Grenze, der bevorstehenden Konferenz des mittleren Ostens, des angeblichen Beitritts Königs 2bn Sauds zum Pakt von Saadabad, keine Fortschritte in den mohammedanischen Ländern erregen konnte. Die gegenwärtige politische Situation im nahen und mittleren Osten stellt sich in den einzelnen Staaten folgendermaßen dar: Aegypten unterliege einem derart starken britischen Druck, datz die englische Zensur uneingeschränkt herrsche, so datz die Bevölkerung noch nicht, einmal die neutralen Zeitungen lesen dürfe, da sie dadurch möglicherweise auch die Wahrheit erfahre. Die Türkei sei dafür, die Eeldunter- stiitzuugen der gebefreudigen Demokratien einzustecken, ohne es,jedoch mit Sowjetrutzland zu verderben.
Der Iran widerstehe einer wirksamen Ausgestaltung des Pakts von Saadabad mit antirussischen Vorzeichen, der die britischen Interessen im mittleren Osten und in Indien garantieren solle, am lebhaftesten. In Teheran wie in Kabul denke man nicht daran, für England
Starker seinSlicher Spähtrupp abgewiesen
Berlin, 14. November.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Erneute Versuche starker feindlicher Spähtrupps, auf den Höhen beiderseits Liedcrschiedt, 11 Kilometer südwestlich Pirmasens, Futz zu fassen, blieben ohne Erfolg. Ein Offizier und 24 Mann wurden als Gefangene eingebracht. Beiderseits Saarbrücken etwas stärkeres Ar- tillerieseuer als in den letzten Tagen.
Sie krmittlungen im Sprengstoftanschlog
Oberreichsanwalt Lautz beim Roichsjüstizminister Berlin, 14. November.
Der Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof für das Deutsche Reich Lautz, der mit dem Münchener General- staatsanwalt vom Abend des 8. November ab die reichs- anwaltschastlichen Ausgaben bei der Untersuchung des hoch- und landesvcrräterischen Münchener Sprengstoff- anschlags wahrnimmt, hat am Montag dem Reichs- minister der Justiz eingehende» Bericht über den Stand und die bisherigen Ergebnisse des Ermittlungsver- sahrens erstattet.
die Kastanien aus dem russischen Feuer zu holen. Saudi-Arabien habe seine strenge Neutralität gegenüber dem europäischen Konflikt znm Ausdruck gebracht und wirke darauf hin, daß auch die beiden anderen Staaten des arabischen Paktes, Irak und Jemen, nach Möglichkeit diese neutrale Haltung bewahren^ Die britischen Pressionen auf König 2bn Saud zum Anschluß an den Pakt von Saadabad seien vollkommen gescheitert.
Jbn Saud wolle nichts von einer vorderasiatischen Politik, sondern nur von einer ausschließlich arabischen Politik wissen, in welchem Sinne er auch in Bagdad einwirke, da der Irak gleichzeitig Mitglied des arabischen Paktes wie des Paktes von Saadabad ist. Das Problem der Unabhängigkeit Syriens und Palästinas liege jedenfalls Jbn Saud mehr am Herzen als die britischen Interessen.
Man beobachte dementsprechend mit Mißtrauen die Entsendung einer französischen Militär- und Wirtschaftskommission nach der Hauptstadt des Jemen, doch wisse man, daß der Jemen außerhalb der englisch-französischen Einflußphäre zu bleiben wünsche. Von französischer Seite feien dem Jemen anscheinend Vorschläge gemacht worden. Daraus erkläre sich die Entsendung des früherem saudi-arabischen Außensekretärs nach Paris als Gesandter, der sowohl auf die Verhandlungen wie auch auf das Problem der Errichtung einer Monarchie in Damaskus eingehen solle.
Der italienische Korrespondent deutet an. daß von englisch-französischer Seit« anscheinend Jbn Saud dieselben Vorschläge gemacht wurden die seinerzeit Hussein, dem Sherif von Mekka, gemacht wurden und durch welche die arabische Welt in so außerordentlicher Weise von England betrogen worden ist.
Befriedung steht vor der Tür
rck. Berlin, 14. November.
Die letzten Er.eignisse im Fernen Osten haben Klarheit darüber geschaffen, daß die von England gewünschten und mit' verzweifelten Konzessionen angestrebten Gespräche über den Tientsin-Fall und damit über den ganzen Komplex brit-isch-japanischer Spannungsmomente nicht wieder aufgenommen werden. Damit ist Englands Versuch, sich in Fernost den Rücken frei zu machen, gescheitert, ebenso wie die auf einen Ausgleich mit Washington gerichtete Außenpolitik des japanischen Außenministers Admiral Nomura.
Die Klärung im Verhältnis USA.-—Japan — gleichbedeutend mit der Nichterneuerung des im Januar ablaufenden Handelsvertrages — schließt eine Phase japanischer Politik, und die Nachricht von dem neuen Uebereinkommen mit Moskau läßt die neue Richtung der japanischen politischen Aktivität erkennen. Diese Entwicklung zeigte ihre ersten sichtbaren Anzeichen, als Reichsminister von Ribbentrop nach der Unterzeichnung des deutsch-russischen Vertrages auf dem Moskauer Flugplatz eine Bemerkung über Ausfichten und Notwendigkeit einer japanisch-russischen Flurbereinigung machte. Schon damals ließ es sich die britische Diplomatie und die Presse mit großem Eifer angelegen sein, die Schließung der offenen Wunde im Fernen Osten zu verhindern und diesen für die Londoner Politik so nützlichen Gefahrenherd zu erhalten. In der Tat war es ja in der Hauptsache England, das aus den Reibungen in Ostasien am meisten profitierte.
Im Grunde trafen in den weiten Räumen des alten chinesischen Reiches schon vor dem Weltkriege die Interessen Japans und Rußlands aufeinander. Diese Gegensätze prallten dann nach 1931, als Japan in der Mandschurei aktiv wurde, schärfn aufeinander und waren in den letzten Jahren — auch nach der vorübergehenden. mit dem Verkauf der ostchinesischen Bahn an Mandschuko im September 1934 eingeleiteten Entspannung — weit davon entfernt, überwunden zu sein. Die Amurgrenze, 1869 als Scheidewand zwischen China und Rußland gezogen, blieb ein Unruheherd, der Streit um Inseln, die der sein Bett dauernd wechselnde Strom entstehen ließ, führte zu immer heftigeren Zwischenfällen, in die auf jeder Seite immer größere Truppenmengen eingriffen.
Diesem ständigen Krieg soll jetzt ein Ende gemacht werden. Auf die jüngste Fühlungnahme zwischen Tokio und Moskau aufbauend, wird hier die in Tschita und später in Charbin tagende Konferenz ein dankbares Betätigungsfeld finden, und eine Arbeit in Angriff nehmen, die über die lokale Grenzfestsetzung hinaus ein Schritt zu einer Generalreaelung der fernöstlichen,, zwischen der Sowjetunion und Japan stehenden Fragen führen kann. Daß dies die Absicht beider Parteien ist, bezeugt die Tatsache, daß auch die beiden weiteren Konfliktquellen beseitigt werden sollen, der Streit um die japanischen Konzessionen in Nordsachalin und um die Fischereirechte Japans in russischen Gewässern.
Die Schwierigkeiten der japanischen Konzessionäre auf russischem Gebiet hatten in den letzten Jahren zum Teil Formen angenommen, die die Kohlen- und Oelversor- gung Japans aus diesen für seine Wirtschaft so wichtigen Gebieten gefährdeten. Einmal standen arbeitsrecht- liche Fragen zwischen den sowjetrussischen Gewerkschaften und den japanischen Werkleitungen, dann wieder waren die Kontrollbefugnisse der Sowjetbehörden Anlaß zu Mißhelligkeiten, kurzum, die Atmosphäre war mit Zündstoff übersättigt und jeder neue Streit trug das Seinige zur weiteren Verschärfung des Konfliktes bei.
Nicht viel anders war es bei den Auseinandersetzungen um die Fischereirechte, die Japan seit 1875 in den nördlichen russischen Gewässern und an den sibirischen Küsten innehatte. Wenn man bedenkt, daß in den im Küstengebiet angelegten Konservenfabriken und an Bord der Fischdampfer nicht weniger als 39 009 Japaner arbeiten, und daß die Fische dieser Gewässer zur Volks- ernährung wie zur devisenbringenden Ausfuhr in gleicher Weife wichtig sind, so wird die Bedeutung dieser Rechte Japans ersichtlich. Da mit dem Ende dieses Iah- res auch die im Frühjahr unter großen Schwierigkeiten verlängerte Fischereikonvention von 1928 abläuft, ist hierin eine neue Vereinbarung gerade jetzt fällig geworden.
Es sind nicht diese Einzekfragen, die dem jüngsten Uebereinkommen zwischen den beiden Großmächten ihre
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vnssr VsssssmsN«!!
(Dis bsukigs gnsZabs umkaük ssotrs gsitsir)
Zwischen Moskau und Tokio bahnen sich aussichtsreiche Ausgleichsverhandlungen an.
Im französischen Kriegshasen Brest flog ein Tanker in die Lust..
Der Großmusti erschien überraschend in Bagdad.
Im Westen wurde ein starker feindlicher Spähtrupp abgewiesen.
Reichsschatzmeister Schwarz hat die einheitliche Betreuung der Leidtragenden des 8. November übernommen.
Der Oberreichsanwalt Lautz erstattete dem Reichsminister der Justiz Bericht über die bisherigen Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens des Münchener Attentates.
Reichswirtschastsminister Funk konnte in Memel den wirtschaftlichen Ausstieg der Stadt feststellen.
Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich in Obcrschlesien.
Nachtarbeiter erhalten in der Lcbensinittelzuteilnng auf eine Znlagekarte hin über das Kontingent für Normalverbraucher hinaus Fleiss und Fe"
Drohungen gegen die neutrale Konkurren;
kepressungen gegenüber Vänemark — „lanada"-kapitän widerlegte die Lügen
t»v. Kopenhagen, 14. November.
In dänischen Reederkreisen hat in diesen Tagen im Rahmen der englischen Drohungen gegen die neutrale Schiffahrt die Anspielung der „Times" darauf, wie unbequem gewisse neutrale Schiffahrtslinien den Engländern geworden und daß in Zukunft Schritte gegen solche unbequeme Konkurrenz getroffen werden könnten, erhebliches Aufsehen erregt. Dänemark ist noch in relativ geringem Maße verdächtig, den Engjändern Konkurrenz in den Empire-Linien zu machest. Immerhin hat gerade die dänische Östasiengesellschaft einen sehr gut funktionierenden Ostasiendienst aufgezogen, dessen moderne Schiffe den Neid Englands erregt haben mögen. Zu ihnen gehören — die „Times" hat gerade solche ^Motorschiffe besonders erwähnt — die modernen Motorschiffe, von denen zwei leider in der letzten Zeit gesunken sind, eines in den chinesischen Gewässern, das
andere, die „Canada", durch Auflaufen auf eine englische Mine vor der Humbermündung. Der soeben nach Kopenhagen zurückgekehrte Kapitän des Schiffes hat nochmals bestätigt, daß es sich nur um eine Mine handeln kann.
Nachrichten darüber, wie die dänischen und sonstigen skandinavischen Schiffahrtskreise auf den neuen englischen Erpressungsversuch reagieren werden, liegen noch nicht vor. Der englische Druck ist indessen schon während der ganzen letzten Zeit derart verstärkt worden, daß er kaum noch übertrafst» werden kann. Allenfalls ist das englische Manöver, die neutralen Reedereien zu regelmäßigen und billigen Dienstleistungen für England zu zwingen, aufschlußreich dafür, daß England sich von anderen Einwirkungen nichts mehr verspricht 'und direkt auf die Methoden eines brutalen Geschäftsgangstertums zurückgreift.
k. s. Wells wollte vor 25 Zakren sprechen
kine nichtgekoltene Nebe — Vas «einzige, was zu tun bleibt" — Sie wahrlieit des Hasses
Berlin, 14. November.
Vielleicht, — es ist nicht sehr wahrscheinlich, aber vielleicht gibt es auch heute noch oder heute wieder hier und dort ein paar Leute, die auf das hören, was englische Propaganda ihnen über die tugendhaften Absichten erzählt, die allein England bei seinem Kriegstreiben gegen Deutschland leiten; also Humanität, leidenschaftliche Liebe zur „Freiheit" aller demokratischen Ideale und der eingeborene englische Drang, sich sür andere Leute zu opfern. Falls solche Leute überhaupt zu heilen sind, müßte das möglich sein durch die immer wieder neu belegte Erkenntnis, daß all das, was von englischer Propaganda zusammengelogen wird, ja nach ganz alter abgegriffener Schablone geschieht. Auch vor 25 Jahren versicherte England der Welt, nur um der Freiheit der Freien, um des Rechtes der Schwachen, um der Neutralität der Neutralen willen führe das selbstlose England gegen das militärische, barbarische,
„kaiseristische" Deutschland den Krieg.
Damals gab es in England selbst, ja sogar in den Reihen der englischen Propagandisten, Leute, die allen Ernstes und im guten Glauben diesen Schwindel mitmachten. Heute erinnern sich noch gar zu viele der Enttäuschung ihrer damaligen Gutgläubigkeit. Das ist natürlich peinlich für die Winston Churchills und MacMillans. Jetzt werden im Osloer „Dagbladet"
Teile einer Rede zitiert, die noch vor Kriegsausbruch
flucht des öroßmufti nach vagdad
London bokauptet: Im „kinverständnis" mit der britischen Negierung — Lenkt kngland ein!
Aus dem Libanon kommend, ist in Bagdad der Groß- musti Efscndi Al Hussein eingetroffen. Aus welchem Wege er die Grenze des Jral überschritt und wie es ihm gelang, sein zwar selbstgewähltes, jedoch von den Franzosen sorgsältig bewachtes Exil im Libanon zu verlassen, ist nicht bekannt.
Genau so wie in den letzten Wochen des Jahres 1937 seine Flucht aus der Omar-Moschee in Jerusalem nach Syrien erfolgreich war, so'gelang es ihm auch diesmal, sich den Augen der englischen Häscher zu entziehen, England ist man über das neuerliche Auftauchen des Großmusti entsetzt und muß einsehen, daß es britischer „Staatskunst" auch diesmal nicht gelungen ist. dielen hervorragenden Führer der Palästina-Araber für immer zu erledigen. Die englsichen tlnterdrückungs- politiker hassen den Großmusti, der ein verschworener Gegner der britischen Palästinapoli- tik ist. Sie hassen ihn weil sie ihn fürchten, weil sie wissen, daß er allein die Zügel der arabischen Freiheitsbewegung in diesem Räume in seinen Händen hat.
Als die Flucht des Mufti nach dem Irak bekannt wurde, verbreitete London das Gerücht, daß dieser Auf- enthaltswechscl „im Einverständnis mit der britischen Regierung" geschehen sei, da her Großmusti mit den Engländern zusammen eine Lösung der Patästinafranc
NnN--lio s'z '
Der Großmusti hat diese englischen Zweckmeldungen von Bagdad aus dementiert und festgestellt, daß er mit keiner englischen Stelle irgendwelche Verhandlungen geführt habe. Großbritannien ist bemüht, daß in seinem Interesse der Mufti weiter totgeschwiegen wird und hat dementsprechend anscheinend auch auf die Regierung des 2rak eingewirkt. Die Engländer versuchen, 'in der' arabischen Welt den Eindruck zu erwecken, als habe der Großmusti seine Rolle als Führer seiner Landsleute ausgespielt. In Wirklichkeit aber ist heute das Ansehen des Großmusti im arabischen Raum größerdennje. Von einem Prestigeverlnst, wie ihn die Engländer so gerne zu konstruieren versuchen, kann keine Rede sein. Daß die Engländer über das Erscheinen dieses Arabersührers in Bagdad besonders'unangenehm berührt sind. ist verständlich, denn mehr oder weniger sehen sie sich heute bereits vor die Tatsache gestellt, mit diesem ihrem erbitterten Feind von sich aus erneut in Verhandlungen einzutreten. Die allgemeinen politischen Verhältnisse setzen die englische Regierung immer stärker unter Druck, mir den Arabern in Palästina wenigstens zu einer Art Stillhalteabkommen zu gelangen. Die Bedingungen hierfür aber wird der Großmusti stellen, der über hervorragende politische Fähigkeiten verfügt und mit den unmoralischen Grundsätzen englischer Kolonial- politik bestens vertraut ist.
der nächst Vernard Shaw wohl bekannteste und ge- lesenstd englische Schriftsteller H. G. Wells in Stock- holm zu halten beabsichtigte. Er wurde durch den Kriegsausbruch daran verhindert, obgleich oder weil der Kriegsausbruch seiner beabsichtigten Rede erst ihre wahre Bedeutung und Aktualität verlieh. H. G. Wells, vor 25 Jahren einer der wichtigsten, vielleicht der wichtigste literarische Propagandist Englands, gedachte in dieser Rede auseinanderzusetzen, wre er damals guten Glaubens die angeblichen tugendhaften Kriegsziele Englands propagiert habe und dafür von der englischen Politik aufs niederschmetterndste enttäuscht und zu erschreckender Erkenntnis der Wahrheit aufgerüttelt worden sei.
„Während des Krieges 1914/18", so wollte Wells sagen, so schreibt er jetzt, „arbeitete ich gute» Glaubens für die englische Kriegspropaganda, erntete aber nur Schmach und Schande und wurde zuletzt durch das Forcign Office völlig verraten . . . Wir Propagandisten muhten dem deutschen Voll eine liberale Friedensregelung versprechen, die zu halten unsere Auftraggeber nicht einen Augenblick beabsichtigten. Wir wurden getäuscht und durch uns täuschte man ganz Deutschland. Alles Böse und Schlechte im heutigen Europa ist ausschließlich aus die Phantasielosigkeit, die Vauern- schliiue, die Ehrlosigkeit und Wortbriichigkeit dieser Leute in den Jahren nach dem Kriege seit 1818 zurückzuführen.
Uns nichts Neues. Bemerkenswert aber diese Bestätigung durch einen der Nächstbeteftigten, noch dazu zu einem Zeitpunkt, da das England'der Winston Churchills und MacMillans, der Chamberlains und Edens glaubt, dieses abgespielte Spiel einfach von vorn anfangen zu können und nichts zu tun zu brauchen, als die Walze von Anno dazumal wieder aufzulegen. Leicht ist es Herrn G. H. Wells sicherlich nicht geworden, sich zu diesem Geständnis seiner Enttäuschung durchzuringen, jedenfalls suchte er in seiner seither erschienenen dickbändigen „Weltgeschichte" die englische Legende von 1914 noch nach Möglichkeit zu schonen. Wie heftig müssen die Gewissensnöte des Mannes gewesen sein, daß er gerade jetzt, an einem für England so ärgerlichen Zeitpunkt sich gedrungen fühlt, dieses Zeugnis für die Wahrheit abzulegen.
Aber auch, wenn er das nicht getan hätte, würde die Wahrheit über die englische Kriegsheuchelei sich heute nicht mehr unterdrücken lassen, denn der zuckende Haß verführt immer wieder bald diesen, bald jenen Wortführer Englands dazu, diesen Haß und sein Ziel unbedacht herauszuschreien. So genügt zur Widerlegung des Schwindels von den tugendhaften englischen Kriegsmotiven schon allein die Tatsache, daß 24 Stunden vor dem Münchener Mordversuch gegen Adolf Hitler die „Daily Mail" einen Leitartikel mit den Worten schloß:
„Die Erörterung der Kriegsziclc ist einfach sinnlos; das einzige, was uns heute zu tun bleibt, ist, Hitler zu beseitigen." Das deckt sich anfs genaueste mit dem Haß- bekenntnis Herrn Ehambcrlains, datz er den Tag der Vernichtung Hitlers noch zu erleben hoffe.
(Fortsetzung auf Seite 2)