Heft 
(2021) Bd. 18. Gotik
Seite
74
Einzelbild herunterladen
 

Jessica Hansel

Verborgene gotische Gewölbe in Bremen

Nicht alle baulichen Zeugnisse der Gotik in Bremen kündigen sich durch weithin sichtbare Kirchtürme oder -dächer an, wie etwa im Fall der Kirche Unser Lieben Frauen oder St. Jo­hann. Auch an weitestgehend versteckten und wenig beachteten Orten der Bremer Altstadt kann man Spuren dieser Epoche finden, wenn man die historische Topographie der Stadt kennt. Hier haben sich eine Reihe von goti­schen Gewölben erhalten, von denen die noch aus der Erbauungszeit des Alten Rathauses ab 1405 stammende Große Halle des Bremer Rats­kellers, die zum Pflichtprogramm jeder umfas­senden Rathausfuhrung gehört, sicherlich das bekannteste darstellen dürfte. Aber auch einige eher verborgene Beispiele gotischer Wölbe­technik lassen sich in der Innenstadt auffinden, die in Hinblick auf ihre Bau- und Nutzungs­geschichte nicht weniger bedeutend sind. Dazu gehören die Unterkirche von St. Elisabeth, die Klosterkirche der Deutschordenskomturei an der Ostertorstraße und das sogenannte Refekto­rium des Dominikanerklosters am Katharinen­klosterhof.

Für das mittelalterliche Bremen waren die hier angesiedelten christlichen Ordensgemein­schaften von großer Bedeutung, da sie nicht nur im sozialen Gefüge der Stadt eine wichtige Rolle spielten, sondern mit ihren Klosteranla­gen und Ordenskirchen auch den Stadtraum selbst maßgeblich prägten. Während sich von dem Franziskanerkloster St. Johann, das im vorherigen Beitrag ausführlich betrachtet wur­de, noch das beeindruckende Kirchengebäude erhalten hat und vom einstigen Einfluss sei­ner Bauherren zeugt, sind von dem ehemali­gen Katharinenkloster sowie der Komturei des Deutschen Ordens nur wenige Überreste vor­handen, die man an ihren innerstädtischen

Standorten kaum vermutet: zwei mittelalterli­che Gewölbe, verborgen unter modernen Neu­bauten, deren einstige Bedeutung sich heute nur noch an den Namen der angrenzenden Straßen, der Katharinen- und der Komturstraße, able­sen lässt. Ihre Entstehungsgeschichte sowie der neuzeitliche Umgang mit diesen Zeugnissen mittelalterlicher Baukunst sollen Thema dieses Beitrags sein.

Die Unterkirche der Komtureikirche St. Elisabeth

Die Bremer Deutschordenskomturei wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Altstadt nahe dem damaligen Ostertor einge­richtet, wo die Komturstraße heute noch an das Wirken dieser Ordensgemeinschaft erinnert.

Der Deutsche Orden geht vermutlich auf die im 12. Jahrhundert von Bremer und Lübe­cker Kreuzfahrern initiierte Einrichtung eines Feldlazaretts zurück, das im Zuge der Belage­rung der durch ihre Lage an der Levanteküste strategisch bedeutenden Hafenstadt Akkon entstanden sein soll. Im Jahr 1198 wurde die Hospitalbruderschaft dieser Kreuzfahrer dann offiziell in den Stand eines Ritterordens erho­ben. In Bremen erfolgte 1230 die Gründung einer Niederlassung der Ordensbruderschaft, die hier das an der Ostertorstraße gelegene und zu diesem Zeitpunkt noch dem Domka­pitel unterstellte Heiliggeist-Spital übernahm. 1 Der Erwerb von Ländereien und Gütern in der späteren Hansestadt und ihrem Umland und die mit deren Bewirtschaftung verbundenen Einkünfte erlaubten der Bruderschaft den Aus­bau des Hospitals, welches den Namen Deut­sches Haus erhielt. 2