Heft 
(2019) Bd. 16. Bremen und Skandinavien
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enkmalpflege in Bremen Heft 16

Natascha Mehler

Island und Grönland zur Zeit des Adam von Bremen - eine archäologische Spurensuche

Der Gelehrte und Geistliche Adam von Bremen hat im 11. Jahrhundert die »Gesta Hamma- burgensis ecclesiae pontificum« verfasst, eine Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen, die für unsere Kenntnis der nordeuropäischen Kirchengeschichte und der Christianisierung Skandinaviens von großer Bedeutung ist. Sie zeigt aber nicht nur die engen geistlichen und kulturellen Verbindungen zwischen Bremen und Skandinavien auf. Das gesamte Geschichtswerk ist, wie zahlreiche Historiker dargelegt haben, eine Huldigung an Erzbischof Adalbert, Adams Mentor, und vor allem das vierte Buch eine Würdigung seiner Taten und Verdienste für die Christianisierung des Nordens. Zudem enthält es Beschreibungen von Island und Grönland, zwei Inseln, deren Diözesen bis zum Jahr 1104 zum Erzbistum Hamburg-Bremen gehörten. Seine Zeilen darüber zeigen eindrucksvoll, wie vertraut, gleichzeitig aber auch wie fremd, die nordatlantischen Inseln für Adam von Bremen und seine Zeitgenossen waren.

Uber Adams Leben ist nicht viel bekannt. Offenbar wurde er vor der Mitte des 11. Jahr­hunderts geboren. In einer Randnotiz seiner Gesta erwähnt er, dass er aus dem Gebiet der ehemaligen römischen Provinz Germania superior stammt, also Obergermanien. Konkre­ter vermuten Historiker Ostfranken, das Gebiet um Würzburg, als die ursprüngliche Heimat von Adam. Es ist gut möglich, dass er die Dom­schule in Bamberg besuchte, wo er auch mit Erzbischof Adalbert von Bremen (um 1000 bis 1072) in Kontakt gekommen sein könnte, der ihn später nach Bremen holte. Wann genau das geschah, ist nicht überliefert, aber wir kön­nen annehmen, dass Adam spätestens zwischen Mai 1066 und April 1067 in den Norden Deutschlands kam, um Kanonikus im Bremer

Domstift zu werden. Ab 1069 ist er hier als Domscholaster belegt.

Zwischen 1070 und 1076 verfasste er die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. Diese Geschichte des Erzbistums Hamburg gilt nach wie vor als eines der bedeutendsten Ge­schichtswerke Nordeuropas. Er arbeitete bis zu seinem Tod daran und fügte dem Manuskript bis etwa 1081 oder 1085 noch Änderungen hinzu.

Adam von Bremen war - soweit wir wissen - nie in Island und Grönland. Dementsprechend gibt es keine archäologischen Hinterlassenschaf­ten, die unmittelbar mit ihm in Zusammenhang stehen. Aber zahlreiche Uberreste sind vor­handen, die von der Missionierung durch das Erzbistum Bremen zeugen.

Adams Beschreibung von Island

Die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontifi­cum beschreiben die Geschichte des Erzbistums bis zu der Zeit, als Adalbert Erzbischof war (1043-1072). Hinter dem Werk stehen das An­liegen und die Botschaft, mit ihm die Autorität über die Kirche Skandinaviens zu sichern, denn das Erzbistum Hamburg-Bremen gilt als Zen­trum und Keimzelle der Missionierung bzw. Christianisierung Skandinaviens. Die in Mittel­latein verfasste Schrift besteht aus fünf Teilen. Zwei davon behandeln die Geschichte des Erz­bistums Hamburg-Bremen, ein Teil stellt die Biografie von Erzbischof Adalbert von Bremen dar, außerdem gibt es eine geografische Beschrei­bung von Nordeuropa, auf die ich mich im Folgenden konzentrieren werde, und schließ­lich noch eine Widmung an Erzbischof Liemar von Bremen-Hamburg, den Nachfolger von Erzbischof Adalbert.