Bremerhaven.
745
Die Kammer besitzt, um gleichzeitig zwei grofse oder mehrere kleine Schiffe schleusen zu können, eine Breite von 45 m. Der gegen die Achse der Schleusenhäupter seitlich verschobene Vorhafen hat bei 60 m Breite eine mittlere Länge von rund 300 m und dient mit seiner westlichen, gegen die Schleusenachse am weitesten zurückliegenden Kaje als Ankunfts- und Abfahrtsstelle für die grofsen Dampfer des Norddeutschen Lloyd, der an dieser Stelle ein neues umfangreiches Empfangsgebäude, welches mit einer staats- seitig hergestellten Zollrevisionshalle in Verbindung gebracht worden ist, errichtet hat. Als Verschlufsorganc für die Schleuse dienen im Aufsenhaupt zwei Paar eiserner Flut- und Ebbethore, im Binnenhaupt ein eiserner, auf Rollen laufender Schiebeponton eigentümlicher Konstruktion. Die gesamte Wasserfläche des Kaiserhafens, welche überdies durch eine mittels zweier Drehbrücken überbrückte Schleuse mit dem Neuen Hafen verbunden ist, beträgt, ohne die an sie angeschlossene Fläche des Dockvorbassins, 20,75 ' la - Die Ostseite des Kaiserhafens ist mit fünf Eisenbahndurchgangsschuppen versehen. An der Westseite befinden sich neben der Kaje zunächst Geleise zum direkten Laden vom Waggon zum Schiff und umgekehrt und zur direkten Zufuhr der Betriebskohlcn zu den Dampfern. Jenseits der Geleise sind einzelne Privatlagerschuppen und insbesondere ausgedehnte Kohlenlagerplätze, in welchen der Lloyd seine Reservevorräte an Kohlen aufstapelt.
Speicher sind seitens des Staates, im Kaiserhafen ebenso, wie in den zwei andern Häfen, nur ausnahmsweise erbaut worden, es ist vielmehr im allgemeinen die Herstellung solcher Anlagen den Privatunternehmungen überlassen worden. Die bestehenden Speicheranlagen sind sämtlich, mit Rücksicht auf die ungünstigen Untergrundverhältnissc, als cinetagige, leicht konstruierte Bauwerke hergestellt.
Ufermauern.
Die Ufer der Häfen sind gegenwärtig nahezu ausschliefslich mit massiven Kajen eingefafst, deren Konstruktion im Laufe der Zeit allerlei Wandlungen erfahren hat.
Als beim Bau des Alten Hafens die ersten Uferabschlüsse hergestellt werden mufsten, wählte man für den oberen Teil derselben Buschpackungen, während der unter Wasser gelegene Teil als Erdböschung ausgebildet wurde. Diese Konstruktion genügte für die damaligen, wenig tiefgehenden, kleinen Schiffe, sie hatte aber den Nachteil, dafs der Busch sehr bald verfaulte und die Herberge unzähliger Ratten wurde. Man erbaute daher später vor diesen Buschufern leichte Mauern, die auf vertikale Pfähle gesetzt und mittels hölzerner Anker verankert wurden.
Bei den Binnenhafenmauern, wo man es mit festerem Marschboden zu thun hatte, erwies sich diese Bauweise als standsicher und zweckentsprechend. Bei dem Vorhafen, der im weichen Schlickwatt angelegt werden mufstc, war sie indessen die Ursache mehrfacher Ufercinstürze und sonstiger Mifsstände, welche schliefslich durch die Einführung des Schrägpfahls in die Pfahlrostkonstruktion der Mauer beseitigt wurden. Mit vollem Recht gilt der Erbauer dieser Mauern, der Baurat van Ronzelen, als derjenige Ingenieur, welcher als