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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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VI. Teil. Die Weser und ihre Seehäfen.

Beschreibung der einzelnen Häfen Bremerhavens.

Die einzelnen Häfen Bremerhavens, deren allmähliche Entstehung bereits früher geschildert wurde, bieten zur Zeit folgendes Bild:

DerAlte Hafen" besitzt ein durch massive Ufermauern eingefafstes Hafenbassin von 7,2 ha Wasserfläche, bei einer Länge von rund 750 m und einer gröfsten Breite von 115 m. Er ist durch eine Kammcrschleuse und einen langen Vorhafen mit der Weser verbunden.

Die Kammcrschleuse hat eine Durchfahrtsweite von 11 m und eine Tiefe von 5,86 m bei gewöhnlichem Hochwasser. Die Kammer selber ist 42 m lang und 26 m breit.

Das Aufsenhaupt ist je mit einem Paar hölzerner Flut- und Ebbethore, das Binnenhaupt mit einem Paar Flutthore gewöhnlicher Art und einem Paar Fächerthore ausgestattet. Die Fächerthore wurden angelegt, um bei niedrigen Wasserständen in der Weser mittels des Hafenwassers den Vorhafen durch Spülung von Schlick reinigen zu können. Der Vorhafen ist 270 m lang, 3038 m breit und schliefst sich in schlanker Linie an die Mündung der Geeste an. An beiden Seiten des Alten Hafens befinden sich Schuppenanlagen, welche jedoch nach jetzigen Verhältnissen nur als primitiv bezeichnet werden können. Die Schuppen an der Westseite sind teilweise jetzt als Fischhallen in Benutzung. An der Ostseite war, des geringen verfügbaren Platzes halber, nur die Anlage zweier sehr schmaler Schuppen möglich. Dieselben waren ursprünglich ganz offen, sind aber im Laufe der Jahre zu einem Teil in geschlossene Schuppen umgewandelt worden. Da infolge der Unterweser­korrektion die Schiffe, welche früher denAlten Hafen" aufsuchten, nach Bremen gelangen können, so ist der Verkehr in demselben ziemlich gering. Nur wenige Fischdampfer, Schleppdampfer und Küstenfahrzeuge besuchen ihn.

DerNeue Hafen" mit einer Wasserfläche von 8,27 ha, 830 m lang, 85114 m breit, hat einen kurzen Vorhafen, welcher senkrecht zum Weser­strom gerichtet ist und dessen Kajen denselben hummerscherenartig umfassen, und eine Schleuse, welche die für die Zeit ihrer Erbauung (18471852) beträchtliche Breite von 22 m und eine Tiefe von 7,61 m unter gewöhnlichem Hochwasser besitzt. Wie bereits erwähnt, war diese Breite notwendig, um die zwischen Amerika und Bremerhaven verkehrenden Passagierdampfer mit Seitenrädern in den Hafen aufnehmen zu können. Die Schleuse ist als Dockschleuse ausgeführt und mit einem Paar Flutthore, deren Oberkante auf Sturmnuthöhe liegt, sowie mit einem Paar den Hafenwasserstand zurück­haltender Ebbethore versehen. Die Thore sind aus Eisen konstruiert und sind die ersten eisernen Schleusenthore, die überhaupt erbaut worden sind. Nachdem sie nun ungefähr 50 Jahre ihrem Zwecke gedient haben, ist ihre Erneuerung für das Jahr 1900 in Aussicht genommen.

An der Ostseite des Hafens befinden sich fünf Eisenbahndurch­gangsschuppen, an der Westseite ein grofser Scherenkrahn von 45 t Tragfähigkeit, rund 28 m Höhe und 11,5 m Ausladung, sowie ein dem Norddeutschen Lloyd gehöriger Dockhof mit hölzernem Trockendock und ausgedehnter Reparaturwerkstatt. Die zwischen dem Hafen und der Weser