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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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V. Teil. Schiffahrt.

1897 Schiffe von 1500 bis 2000 t am zahlreichsten vertreten sind und eine Reihe von Schiffen über 5 000 t grofs ist. Ebenso bemerkenswert ist die Umwandlung, welche die Bremer Flotte bezüglich der Bauart ihrer Schiffe während der letzten 50 Jahre durchgemacht hat. (Fig. 10 Taf. IV.) Die Kuffen, Tjalken, Smakken, Fluyten und Schnauen früherer Zeit sind gänzlich verschwunden, Schuner, Gallioten, Ewer u. s. w. nur in geringe'r Anzahl vorhanden. Dampfer, Voll- und Barkschiffe und grofse Schleppkähne bilden heute die hauptsächlichsten Typen der bremischen Seeflotte.

Im Jahre 1847 besafs Bremen weder Seedampfer noch Seeschleppkähne, während heute die stattliche Zahl grofser Segelschiffe von der Dampferflotte an Zahl und Tonnengehalt weit übertroffen wird, und eine grofse Anzahl von Schleppkähnen den Verkehr zwischen den Weserhäfen und Hamburg, sowie auch den Häfen des Dortmund-Ems-Kanals vermittelt.

Norddeutscher Lloyd.

Nach diesem allgemeinen Überblick über die Entwickclung der bremischen Schiffahrt gehen wir zu den einzelnen Rhedereien und Schiffahrtsbetrieben über und beginnen mit dem Norddeutschen Lloyd.

Die Gründung des Norddeutschen Lloyd im Jahre 1857 fällt in jene Zeit, in welcher der englische Handel und die englische Schiffahrt alle Welt­teile und alle Meere beherrschten. Der von dem provisorischen Verwaltungsrat zur Gründung des Norddeutschen Lloyd im Dezember 1856 erlassene Prospekt hatte folgenden Wortlaut:

Der Norddeutsche Lloyd soll ein grofsartiges Rhederei- und Assekuranz- geschäft unter bremischer Rechnung betreiben; diese beiden Geschäfts­zweige sind die Grundlage von Bremens Handelsblüte gewesen, jetzt wird ganz Deutschland Gelegenheit geboten, sich an denselben zu beteiligen."

An der Spitze dieses provisorischen Verwaltungsrates stand der im November

1898 verstorbene Konsul H. H. Meier, den man mit Recht den Vater des Lloyd nennen darf und der bis zum Jahre 1888 als Vorsitzer des Verwaltungsrates an der Spitze des Norddeutschen Lloyd gestanden hat. So kühn und weit­blickend der in dem Prospekt entwickelte Plan angelegt war, so stattlich und gewaltig ist er seit dem Bestehen des Lloyd bis auf den heutigen Tag ausgeführt; der Norddeutsche Lloyd ist in der That ein nationales Unter­nehmen von weittragendster Bedeutung für die gesamte wirtschaftliche Entwickclung Deutschlands geworden. Die für damalige Verhältnisse stattliche Summe von drei Millionen Thalern, mit welcher der Norddeutsche Lloyd im Jahre 1857 gegründet wurde, ist im Laufe der Jahre zu einem Betriebs­kapital von 120 Millionen Mark angewachsen.

Für die neben der englischen Linie als Hauptzweck geplante Dampfer­verbindung nach New-York besafs der Norddeutsche Lloyd drei kleine Dampfer, von denen der DampferBremen" am 19. Juni 1858 die erste Reise nach New-York mit voller Ladung, aber nur wenigen Zwischendecks­passagieren und einem einzigen Kajütspassagier antrat. Der Dampfer Bremen" hatte eine Länge von 97,53 m und eine Breite von 11,887 m -