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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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mungen bedacht. DerReichsbund jüdischer Frontsoldaten" wurde in seiner Leistungsbereitschaft gefordert, als der Staat sich 1934 einer Sorgepflicht entzog und anläßlich einer Neuregelung des Kriegsopferrechtes dem Reichs­bund die Betreuung nichtarischer Kriegsopfer überließ 50 .

Uber die sonstigen Gruppierungen im jüdischen Leben Bremens ist nicht viel bekannt. Generell lag den polizeilichen Organen der Stadt natürlich viel daran, auszukundschaften, was da in kleinen und kleinsten Zirkeln sich ab­spielte. War eine Überwachung oder Bespitzelung nicht möglich, nutzte man jede sich bietende Gelegenheit zum Sammeln von Informationen. Besonders solche Juden, die von der Behörde ein Entgegenkommen erwarteten, waren bereit, über Verhältnisse, die sie etwa wegen Auswanderung hinter sich las­sen würden, Auskunft zu geben. Ein Beispiel dafür war die Aussage eines 18jährigen bei der Gestapo über die Aktivitäten des Jüdischen Pfadfinder­bundes. Demnach hatte diese Organisation in Bremen 1933/34 etwa 50 Mit­glieder, ihre Zusammenkünfte fanden im jüdischen Gemeindehaus statt 51 .

Daß auch die jüdischen Jugendverbände schon früh unter Kontrolle stan­den, geht aus den strikten Verboten zum Tragen einheitlicher Kleidung oder Abzeichen hervor, auf die der Bremer Leiter der Deutsch-Jüdischen Jugend 1934 von der Gestapo mehrfach hingewiesen wurde 52 . Untersagt war auch das Zeigen von Fahnen oder Wimpeln in der Öffentlichkeit oder gargelände- und wehrsportliche Übungen [...], gemeinsame Auf- und Ausmärsche". Eindeutig blieben solche Dinge der nationalsozialistischen Jugendarbeit vorbehalten; ein Gemeinschaftsgeist unter den jungen Juden sollte offensichtlich eher unterbunden werden.

Während sich der Staat zunächst generell gegenüber den jüdischen Ver­einen und Verbänden mit Maßnahmen zurückhielt, wurde doch jede größere jüdische Veranstaltung und Zusammenkunft von Anfang an überwacht. Ein­zelne Mitglieder konnten dann schon einmal ohne recht ersichtlichen Grund von der Gestapo vorgeladen und dort verhört werden.

2. Die Auflösung der Kaiser-Friedrich-Loge

Erst 1937 traf es das Vereinswesen mit der spektakulären Auflösung der Kaiser-Friedrich-Loge des Unabhängigen Ordens B'nai B'rith (UOBB) selbst 53 . Die Loge, seit 1900 innerhalb der Israelitischen Gemeinde in Bre­men bestehend 54 , hatte zu diesem Zeitpunkt 75 Mitglieder, die nach dem Prinzip,die Zahl der Neuaufnahmen klein zu halten, um die Loge gut jüdisch und auf hochstehendem Niveau zu haben [. ..], scharf gesiebt" auf-

50 Blau, S. 26.

51 Protokoll der Gestapo vom 14. 2. 1934 (Qu. 96).

52 Schreiben der Gestapo an Siegbert Beradt* vom 9. 10. 1934 (Qu. 99).

53 Zum Orden Markreich, S. 430 ff zur Auflösung S. 261.

54 Sie war am 4. 2. 1900 als 484. Loge des Ordens gegründet worden und gehörte mit Hamburg und Lübeck zum Hanseatischen Logenverband.

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