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Die Neustadt, f
1) Entstellung derselben.
Wer mit einem aufmerksamen Blicke die Neustadt Bremens betrachtet und sich dabei dei" Periode erinnert, in der sie ihr Entstehen erhielt, mufs sich wundern , wie ein Werk von solchem Umfange, das an der W eserseite die Länge der ganzen Altstadt einnimmt, an der Landseite aber mit einem Festungsgraben Ton 7620 Fufs Länge eingeschlossen ist, gerade in den trübsten Zeiten, die über Deutschland hereingebrochen waren, mitten unter den Stürmen des dreifsigjährigen Krieges, habe beschlossen und ausgeführt werden können; zu einer Zeit, wo fa,st keine Gegend Deutschlands unverwüstet blieb, viele Städte gänzlich zerstört, andere ihres Wohlstandes so beraubt wurden, dafs die Spuren davon noch immer sichtbar geblieben sind.
Nur dann wird dies erklärbar, wenn man sich erinnert, welcher Glücksstern in jenenblutigen Jahren über Bremen waltete, wie es, damals von Schweden begünstigt, im Verhältnifs zu andern Städten wenig zu leiden hatte, und wie für Bremen die schwereren Tage erst nach dem Westphälischen Frieden, welcher das Erzstift dem Schwedischen Zepter unterwarf, herein brachen. Schwerlich aber würde man damals, dieser Verhältnisse ungeachtet, ein so bedeutendes