Druckschrift 
Die Krankenanstalten der Stadt Bremen, ihre Geschichte und ihr jetziger Zustand / Diedr. Kulenkampff
Entstehung
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Das lebhafte Interesse, welches sich heutzutage allen ärztlichen und hygienischen Fragen gegenüber beim Publikum geltend macht, welches in richtiger Weise zu befriedigen auch mit zu den schönsten und dankbarsten Aufgaben des Arztes gehört, hat sich in unserer Vaterstadt demjenigen Gebiete der hiilfreichen Fürsorge für Kranke und Leidende aller Art zuge­wandt, auf dem es am berechtigtsten und segensreichsten zu wirken vermag, dem Gebiete des Krankenhauswesens und der Ausbildung resp. Beschaffung von geeigneten Pflegekräften.

Auf dem Wege der Privatwohlthätigkeit, durch das Zusammenwirken von Genossenschaften und Vereinen, wie durch die Initiative Einzelner ist in den letzten 10 Jahren eine Reihe von Anstalten ins Leben gerufen worden, welche auch der Sachkenner als mustergültige bezeichnen wird. Und so dürfte die folgende Darstellung der Geschichte und des jetzigen Krankenhauswesens in Bremen nicht nur berechtigt sein in einem localpatriotischen Sinne und in dem der dankbaren Pflichterfüllung einer Rechenschaftsablage gegenüber Allen, welche hülfreiche Hand mit anlegten, sondern auch dem ferner Steheuden einiges Interesse abnöthigen. Wenigstens wird ihm die Darstellung einen kleinen Beitrag zu liefern vermögen solcher Detailfragen, aus deren gründlicher Kenntniss allein endlich eine ideale Gestaltung dieser für die Menschheit so wichtigen Verhältnisse angebahnt werden kann.

Der Zeitraum, seit welchem durch staatliche Fürsorge, insbesondere aber durch die Wohlthätigkeitsbestrebungen der Gesellschaft, das Krankenhauswesen einen so mächtigen Aufschwung in Deutschland genommen hat, ist noch ein kurzer, nach wenigen Jahrzehnten sich bemessender, und der Verfolg der historischen Entwicklung in Bremen dürfte wohl als ein Spiegelbild' im Kleinen zu bezeichnen sein. Jahrhunderte lang in den Händen der geistlichen Ge­nossenschaften und Orden ruhend und wohl mein- für Sieche und Unheilbare als zur Hülfe für Heilbare bereit, musste die Krankenpflege endlich vom Staate als ein Zweig des öffentlichen Armenwesens geregelt werden. Mit zunehmender Erstarkung der Verantwortlichkeitspflicht seinen Bürgern gegenüber, welche des modernen Staates Charakteristikum ist, mit der durch die Tagespresse, durch Zeitschriften und Vorträge immer grösser werdenden < (Öffentlichkeit in Betreff alles Dessen, was das Wohl und Wehe seiner Glieder betrifft, musste eine der Sache nur zum Besten gereichende Entwicklung der Verhältnisse in der Organisation und Einrichtung der Krankenanstalten Hand in Hand gehen.

Die ersten Spuren einer öffentlichen Fürsorge für arme Kranke Anden sich in der Stadt Bremen im 9. Jahrhundert vor, indem das vom Erzbischoff (849865) Anscharius gebaute St. Georgii (oder St. Jürgen-) Gasthaus neben der Bestimmung, Arme zu beherbergen, auch die erhielt, Kranke zu verpflegen.