RHEINLAND-PFALZ
Vorbemerkung
Das Bundesland Rheinland-Pfalz (Hauptstadt: Mainz) wurde 1946 durch die französische Militärregierung aus dem linksrheinischen Gebiet von Hessen- Darmstadt (Rheinhessen) und aus Teilen der bayrischen Pfalz, der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Hessen-Nassau gebildet. (Vgl. dazu die Vorbemerkungen von Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen.) Es gliedert sich in die Reg.-Bez. Trier, Koblenz, Montabaur, Rheinhessen und Pfalz. Landesgeschichte siehe unter Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen.
Beziehungen zu Lateinamerika. Vermutlich der erste Deutsche, der sich in Argentinien niedergelassen und dort eine Familie gegründet hat, war Hans Brunberger aus Mainz. Er kam 1526 als Interessenvertreter der Fugger ins Land, betrieb später für eigene Rechnung Geschäfte und brachte es zu einem kleinen Vermögen. — Georg Hohermuth aus Speyer wurde 1535 Statthalter der Welser in Venezuela; er drang mit seinen Leuten bis zum Oberlauf des Guaviare vor. — Peter Liesperger aus Worms, einer führenden Ratsfamilie entstammend, kam 1557 nach Chile; er heiratete die Tochter des spanischen Eroberers Pedro de Valdivia, wurde Bürgermeister von Santiago und später (1590) Oberhofmarschall in Lima.
Auf den Projektemacher Johann Joachim Becher (1635—1682) aus Speyer ist bereits an anderer Stelle hingewiesen worden. Er hatte nicht nur mit dem Kurfürsten von Bayern über die Anlage einer deutschen Kolonie in Guayana verhandelt, sondern war auch für den Grafen von Hanau-Lichtenberg tätig gewesen, das Land zwischen dem Orinoco und dem Amazonas zu erwerben. (Vgl. die Vorbemerkungen von Bayern und Hessen.)
Unter den Angehörigen des Jesuitenordens, die im 18. Jahrhundert in Lateinamerika missionierten, finden sich etliche, deren Geburtsort in dem heutigen Rheinland-Pfalz lag. Anton Meisterburg wurde in Bernkastel, Anselm Eckart in Mainz geboren, beide gingen Anfang der fünfziger Jahre an den Amazonas. Zu den 1767 Ausgewiesenen gehörten: Michael Bawer aus Mainz und Johann Berens aus Koblenz, die am Collegium zu Tepotzotlan gelehrt hatten; Bartholomäus Braun aus Montabaur war Rektor der Provinz Tara- humare und später Visitator gewesen; Georg Redhts aus Koblenz hatte als Oberer der Missionen in Kalifornien gewirkt.
In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts machte sich in dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz das Auswanderungsfieber bemerkbar. Karl Heine, aus Mainz gebürtig, betätigte sich seit 1825 als Agent der argentinischen Regierung und warb Winzer aus dem Rheingau für den Weinanbau in der Provinz Buenos Aires. — Etwa zur gleichen Zeit fanden im Hunsrück erfolgreiche Werbungen durch den Major Schäffer für die kaiserlich-brasilianische Kolonieanlage Säo Leopoldo (Rio Grande do Sul) statt.
Eine zweite Auswanderungswelle fällt in die vierziger und fünfziger Jahre. Wieder waren Argentinien und Brasilien die Hauptzielländer, und wieder waren Hunsrücker besonders beteiligt; In Espirito Santo gründeten sie die deutsche Kolonie Santa Isabel (Campinho). — Erwähnt seien auch die Auf-