NORDRHEIN-WESTFALEN
Vorbemerkung
Das Land Nordrhein-Westfalen (Hauptstadt: Düsseldorf) wurde 1946 gebildet aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz mit den Reg.Bez. Aachen, Düsseldorf und Köln — der südliche Teil mit den Reg.Bez. Koblenz und Trier kam zu Rheinland-Pfalz — und der Provinz Westfalen mit den Reg.Bez. Arnsberg, Münster und Minden. 1947 vergrößerte sich Nordrhein-Westfalen um das Land Lippe-Detmold, das mit dem Reg.Bez. Minden zum Reg.Bez. Detmold vereinigt wurde.
Landesgeschichte. 1. Rheinprovinz. Am Niederrhein stand das langgestreckte linksrheinische Erzstift Kurköln, das die 1521 in einer Hand vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve, Berg mit der Grafschaft Mark voneinander trennte, der Bildung eines großräumigen weltlichen Fürstenterritoriums im Wege. Eine neue Gebietszersplitterung ergab sich durch den Jülich-Kleveschen Erbfolgestreit; nach dessen Beilegung 1614 (1666) fiel Jülich-Berg an Pfalz-Neuburg, Kleve-Mark nebst dem westfälischen Ravensberg an Brandenburg- Preußen, das 1702 auch die Grafschaft Moers, 1713 Obergeldern erwarb. 1794 nahm Frankreich das ganze deutsche linke Rheinufer — damit auch die an Jülich angrenzende alte Reichsstadt Aachen — in Besitz, eine Annexion, die der Friede von Luneville 1801 bestätigte. Rechtsrheinisch erwarb Napoleon 1806 Berg und erweiterte es damals und besonders 1808 durch rheinisch- westfälisches Gebiet zum Großherzogtum Berg.
Alle diese von Frankreich bis 1813 besessenen Gebiete einschließlich eines östlichen Grenzstreifens der zu den vormaligen österreichischen Niederlanden gehörenden Herzogtümer Limburg und Luxemburg, aber ausschließlich des Oldenburg zugewiesenen Fürstentums Birkenfeld und des coburgischen Fürstentums Lichtenberg (1834 preußisch) fielen 1815 an das Königreich Preußen. Dieses erhielt damals ferner seinen früheren rechtsrheinischen Besitz einschließlich der 1803 erworbenen Abteien Essen und Werden zurück und überdies das alte Herzogtum Berg nebst kleineren Territorien, wie der Grafschaft Wied u. a., neu hinzu. Aus dieser Ländermasse bildete Preußen 1816 zunächst die beiden Provinzen Jülich-Kleve-Berg und Niederrhein, 1824 dann die endgültige Provinz Rheinland mit den Reg.Bez. Düsseldorf, Aachen, Köln, Koblenz und Trier unter einem Oberpräsidenten in Koblenz; rechtsrheinisch gehörte als Enklave der Kreis Wetzlar dazu. Abgesehen von dem Verlust des Gebiets Eupen und Malmedy an Belgien und des Saargebiets aufgrund des Versailler Friedens 1919 (vgl. Saarland — Vorbemerkung), wie auch der Eingliederung des oldenburgischen Birkenfeld (1937) veränderte sich der territoriale Bestand der preußischen Rheinlande bis 1945 nicht mehr.
2. Provinz Westfalen. Kern dieser Landschaft war das Gebiet der Bistümer Münster und Paderborn sowie des seit 1180 zu Kurköln gehörigen Herzogtums Westfalen; nach der Säkularisation der katholischen geistlichen Fürstentümer fiel es 1803 bzw. 1815 an Preußen, das in Westfalen bereits seit 1614 (1666) die Grafschaften Mark und Ravensberg, seit 1648 das ehemalige Bistum Minden, ferner die Grafschaften Lingen (1702) und Tecklenburg