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Bremen in hygienischer Beziehung / hrsg. von Tjaden. Unter Mitw. der Herren: H. Becker, Böhmert, Delbrück
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Bremen in hygienischer Beziehung.

Wühlfahrtseinrichtungen.

Bearbeiter: Dr. Becker. Der folgende Abschnitt soll sich mit denjenigen, aus privater Initiative hervorgegangenen Wohlfahrtseinrichtungen, Vereinen und Stiftungen beschäf­tigen, die sich einmal die Fürsorge für gesunde Kinder, andererseits die Pflege und dauernde Versorgung Kranker und Gebrechlicher jeder Art und jeden Alters zum Ziele setzen. Eingehende Berücksichtigung sollen dabei nur die­jenigen Einrichtungen finden, die etwas Bremen Eigentümliches bieten und deshalb beanspruchen dürfen, das besondere Interesse unserer Gäste in An­spruch zu nehmen, während andere nur der Vollständigkeit halber flüchtig erwähnt werden sollen. Manches, was hierher gehörte, ist schon im vorigen Abschnitt im Anschluß an die Organisation der Armenpflege und in dem Kapitel, welches die Krankenhäuser behandelt, besprochen worden. Aus der vollständigen Ubersicht wird sich für den Leser ergeben, daß in Bremen noch vieles aus dem weiten Gebiete der Armen- und Krankenpflege der privaten Wohltätigkeit und Verwaltung überlassen ist, das an anderen Orten der städtischen oder staatlichen Fürsorge zufällt. Aber auch in Bremen hat sich in dieser Beziehung in den letzten Jahrzehnten manches geändert. Einerseits haben Anstalten, die lange Jahre als wohltätige Stiftungen bestanden und segensreich gewirkt haben, vom Staate übernommen werden müssen, da sie den wachsenden Ansprüchen bei der raschen Vergrößerung der Stadt nicht mehr gerecht werden konnten; so wurde z. B. die städtische Krankenanstalt erst im Jahre 1885 ganz vom Staate übernommen, nachdem allerdings schon seit längeren Jahren Zuschüsse seitens des Staates erforderlich geworden waren. Während aber so auf der einen Seite der Wohltätigkeit engere Grenzen ge­zogen wurden, ergaben sich andererseits neue soziale Aufgaben. Seit zwei Jahrzehnten nimmt die Fürsorge für schwächliche Kinder viele Kräfte in An­spruch, und in neuester Zeit ist es besonders die Bekämpfung der Säuglings­sterblichkeit und der Tuberkulose, die im Vordergrunde des öffentlichen Interesses steht, und für die große Summen flüssig gemacht sind.

Fürsorge für gesunde Kinder.

Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit forderte die unerfreuliche Tatsache auf, daß der Prozentsatz derselben in Bremen ein sehr hoher ist, während Bremen in der Gesamtsterblichkeit unter den Großstädten eine günstige Stelle einnimmt. Der Staat hat sich daran insofern beteiligt, als seit kurzer Zeit sämtliche Kostkinder, nicht nur die von der Armenpflege unter­gebrachten, einer Kontrolle unterstellt sind, die, soweit die Armenpflege be­teiligt ist, auch ärztlicher Natur ist. Es sind ferner von privater Seite dem Gesundheitsrat Mittel zur Verfügung gestellt, um Prämien an diejenigen Hebammen zu verteilen, welche unter den von ihnen entbundenen Frauen den größten Prozentsatz Selbststillender aufzuweisen haben. Aus einer bei dieser