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Bremen in hygienischer Beziehung.
C. Die kleineren Krankenanstalten Bremens.
Bearbeiter: Dr. Diedrich Kulenkampff.
Das Kinderkrankenhaus (1846 gegründet), das Diakonissenhaus (1868), das St. Josephsstift (1869) und das Vereinskrankenhans (1876) verdanken ihre Entstehung und Erhaltung ausschließlich der Privatwohltätigkeit. Hierin, sowie in ihrer ganzen Entwicklung und den sich selbst gestellten Aufgaben: 1. Kranke zu verpflegen und 2. ein geschultes Personal für die Privatpflege in der Stadt auszubilden, gleichen sie einander fast bis ins kleinste. Nur das Kinderkrankenhaus hat das letztgenannte Ziel nicht verfolgen und erreichen können, obwohl dessen weitblickende Gründer dasselbe von Anfang an ins Auge gefaßt und angestrebt hatten.
Allerdings sind nun die grundlegenden und führenden Persönlichkeiten bez. Vereine von sehr verschiedenen Standpunkten ausgegangen und haben dementsprechend ihre Aufgabe in verschiedenartiger Weise und mit verschiedenen Hilfsmitteln zu lösen versucht. Das Diakonissenhaus wurde von der sogen, kirchlichen Rechten gegründet, das Josephsstift von den nicht zahlreichen katholischen Bürgern der Stadt ins Leben gerufen, das Vereins- krankenhaus bezeichnete sich von vornherein als „interkonfessionell", bei dem Kinderkrankenhause traten als richtungbestimmend kirchliche Interessen nicht gerade zutage, aber es wurde zum Beginn doch ganz besonders von den „orthodoxen" Kreisen unterstützt, lange Jahre hindurch. Allein dieser Umstand hat weder auf die Art der historischen Entwicklung noch auf die Wirkungskraft und das gegenseitige Verhältnis der vier Anstalten einen bedeutenderen oder gar störenden Einfluß ausgeübt. Vielmehr kann man wohl sagen, daß er nur dazu beitrug, einen edlen Wettstreit anzuregen, und daß alle Schulter an Schulter ihre Kräfte in den Dienst der helfenwollenden Liebe stellten.
Da die Geschichte des Kinderkrankenhauses als ein typisches Beispiel für die Entwicklung der drei anderen Anstalten angesehen werden kann, so möge dieselbe hier eine etwas eingehendere Schilderung erfahren.
Als man im Laufe der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts daran ging, das gänzlich unzureichende einzige Krankenhaus Bremens (an der Großenstraße gelegen) aufzugeben und durch einen, den damals v modernen" Anschauungen entsprechenden Neubau in der östlichen Vorstadt zu ersetzen — die jetzige Städt. Krankenanstalt —, wurde wohl das öffentliche Interesse für die Versorgung Kranker und Hilfsbedürftiger in ganz besonderer Weise angeregt und belebt. Jedenfalls trat damals unter der Führung einiger hervorragender Arzte (insbesondere der DDr. .Barkhausen, Lorent, Pauli und Stachow) ein Verein zusammen,, dessen aus fünf Herren und einigen angesehenen Damen bestehendem Vorstande die Aufgabe zufiel, ein Kinderkrankenhaus zu gründen. Im Laufe von drei Jahren gelang es, ein Kapital von 1576 Talern zu sammeln, und als erforderlichen Betriebsfonds jährliche Beiträge in der Höhe von