Krankenhauswesen.
Direktor Dr. Stoeveaandt, Direktor Dr. Delbrück, Dr. D. Kulenkarnpff, Mitglied
des Gesundheitsrats.
A. Die städtische Krankenanstalt. .
Bearbeiter: Direktor Dr. Stoevesandt.
Nur wenn man ihre geschichtliche Entwickelung berücksichtigt, wird man die auf den ersten Blick auffallende Tatsache verstehen, weshalb sich unsere städtische Krankenanstalt so wesentlich von der Mehrzahl der heutigen größereu Krankenhäuser unterscheidet. Sie gehörte bis zum Jahre 1896 in die Reihe der vielen „milden Stiftungen", die, zum Teil von Klöstern ausgegangen, freiwilligen Gaben ihre Gründung und ihre Existenz verdanken. Das älteste Krankenhaus Bremens war das vom Erzbischof Ansgarius (849—869) gegründete St. Georgii- (oder St. Jürgen-) Gasthaus, dessen altes Hauszeichen # noch über dem Eingang der meisten unserer Häuser eingemauert ist, und dessen Namen noch in der Bezeichnung der Irrenanstalt als St. Jürgenasyl fortlebt. Es brannte 1597 ab. Seine Einkünfte wurden mit denen des 1366 gegründeten St. Gertrudengasthauses und des den schwarzen Prediger- mönchen gehörenden St. Johannisklosters, das nach der Reformation durch die Entfernung der Mönche der Stadt zufiel, vereinigt, und so wurde 1602 das St. Johanniskloster an der heutigen Katholischen Kirche das erste städtische Krankenhaus. Die Geisteskranken sind in zum Teil schauerlichen Käfigen bis 1816 hier geblieben, für die körperlich Kranken wurde 1689 das am Schweinemarkt in der Neustadt gelegene „Bellhaus" für 685 Taler erworben und für 60 heilbare Kranke eingerichtet. Ansteckende Kranke sollten aber abgewiesen und dahin zurückgesandt werden, wo sie hergekommen. Auch ein Theatrum anatomicum wurde für die Medizin Studierenden hier eingerichtet, denn das 1584 gegründete Gymnasium academicum umfaßte alle vier Fakultäten.
Dieses Haus hat bis 1823 gedient und war allmählich durch viele Umbauten zu einem wahren Labyrinth geworden. Bei der allgemeinen Reorganisation, die nach der französischen Zeit, in der Bremen auch zu einer Provinz Frankreichs gehörte, nötig wurde, änderte man auch das Krankenhauswesen gründlich um. Die „Inspektion und Administration der Krankenanstalt" , 4 Senatoren (später 2) und 6 von der Bürgerschaft gewählte Herren, führten nun bis zur Verstaatlichung _jm_ Jahre 1896 die Verwaltung. Das Johanniskloster wurde aufgehoben, aus seinem Vermögen (48 800 Taler) und dem Erlös aus dem Verkauf des alten Krankenhauses bestritt man den Umbau zweier Häuser an der Großenstraße an der Weser zu einem neuen Kranken- und Irrenhause, die Frequenz zeigt folgende Tabelle: