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Bremen in hygienischer Beziehung / hrsg. von Tjaden. Unter Mitw. der Herren: H. Becker, Böhmert, Delbrück
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Bremen in hygienischer Beziehung.

B. Das St. Jiirgenasyl für Geistes- und Nervenkranke in Ellen (Bremen) bei Hemelingen.

Bearbeiter: Direktor Dr. A. Delbrück.

I. Historisches und Krankenbewegung.

Bis zur Eröffnung des neuen St. Jürgenasyls am 1. April 1904 bildete die Irrenanstalt für das Bremer Gebiet eine Abteilung der allgemeinen Kranken­anstalt, seit 1891 mit dem NamenSt. Jürgenasyl", seit 1898 unter selb­ständiger ärztlicher Leitung. Schon beim Neubau der Krankenanstalt 1850 wünschte man die Irrenanstalt auf das Land zu verlegen, verzichtete aber darauf mit Rücksicht auf den geringen Krankenbestand. Von vornherein mangelhaft und unzweckmäßig gebaut, wurde die Anstalt bald zu klein, so daß man in den sechziger Jahren von neuem die Errichtung einer Anstalt auf dem Lande erwog. Man entschied sich aber noch einmal für das alte System, baute die alte Anstalt in hygienischer und psychiatrischer Beziehung (Ent­fernung der Fenstergitter usw.) völlig um und erweiterte sie wiederholt durch An- und Neubauten (zuletzt 1878, 1884 und 1887) bis auf 174 Plätze. Als sie dann aber wiederum weder den hygienischen Anforderungen, noch dem Platzbedürfnis genügte, als sich die Nähe der Stadt und die Verbindung mit der Krankenanstalt immer lästiger erwies, und endlich die letztere bedeutende Erweiterungen erforderte, so daß der Grund und Boden knapp zu werden drohte da entschied man sich endlich für die Verlegung der ganzen Anstalt auf das Land. Im Jahre 1897 wurde dies im Prinzip beschlossen, und das Terrain erworben, 1898 und 1899 wurde der Plan nach dem System der kolonialen Anstalt entworfen, und am 23. Mai 1900 die Summe von zwei Millionen Mark als erste Baurate von der Bürgerschaft bewilligt. Am 1. Juli desselben Jahres begann die Ausarbeitung der Pläne, noch am Ende des Jahres der Bau selbst. Am 1. Oktober 1901 wurden die ersten Kranken in die bis dahin fertig ge­stellten Häuser verlegt, die nun zunächst gleichsam als Kolonie der alten An­stalt funktionierten, und endlich im Frühjahr 1904 konnte die ganze Anstalt dem Betrieb übergeben werden, während die alte für andere Zwecke völlig geräumt wurde. Die unerwartete Verzögerung der Fertigstellung machte bei einer geradezu entsetzlichen Uberfüllung der alten Anstalt die Aufstellung Döckerscher Baracken zu zwei Malen notwendig, von denen die neuesten auch mit nach Ellen überführt wurden, weil die neue Anstalt bei der Eröffnung bereits überfüllt war. Projekte für umfangreiche Erweiterungsbauten wurden sofort ausgearbeitet, harren aber bis jetzt noch der Verwirklichung. Bei den bis jetzt vollendeten Bauten sind die Zentralanlagen auf 500 Patienten be­rechnet, der Raum für die Patienten auf 310 Betten der untersten und 22 der höheren Verpflegungsklassen.

Die Krankenbewegung mögen folgende Zahlen illustrieren: Es betrug