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Bremen in hygienischer Beziehung / hrsg. von Tjaden. Unter Mitw. der Herren: H. Becker, Böhmert, Delbrück
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Bremen in hygienischer Beziehung.

D. Die Prostitution.

Bearbeiter: Kreisärzte Dr. Dreier, Dr. Stachow.

In Bremen gab es bis 1865 keine reglementierte Prostitution. Da nach dem Urteil der Ärzte die Geschlechtskrankheiten überhandnahmen, wurde im genannten Jahre die Reglementierung und zwangsweise Untersuchung der Prostituierten eingeführt. Die Mädchen wohnten durch die ganze Stadt zer­streut. Da dieses zerstreute Wohnen fortlaufend zu lebhaften Klagen der Nachbarschaft führte, wurde aus der Bevölkerung heraus der "Wunsch an die Behörde herangetragen, die Prostitution zu konzentrieren. Die Bemühungen der Polizei um eine zweckmäßige Ordnung der Sache führten 1878 zu einem Vertrage mit dem Bauunternehmer W., nach welchem dieser die ihm allein zugehörige Helenenstraße der Polizei für Wohnzwecke der Prostituierten zur Verfügung stellte, die Polizei sich verpflichtete, die der Reglementierung unter­stehenden Frauenzimmer dorthin zur Wohnungsnahme zu überweisen.

Seit dem 1. Oktober 1878 ist demgemäß die reglementierte Prostitution in der Helenenstraße konzentriert. Außerhalb dieser Straße wird der Aus­übung der gewerbsmäßigen Unzucht mit allen der Polizei zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten.

Trotzdem soll die Zahl der nicht der Reglementierung unterstehenden gewerbsmäßige Unzucht treibenden Frauenzimmer keine kleine sein. Mädcheu, die wegen begründeten Verdachts gewerbsmäßiger Unzucht von der Polizei aufgegriffen werden, werden seit 1901 im Gefangenenhause am Ostertor dem Kreisarzt zur Untersuchung vorgestellt. Werden sie gesund befunden, eventuell bestraft, sind sie geschlechtskrank, der Krankenanstalt zur Zwangsbehandlung überwiesen und nach erfolgter Heilung bestraft.

Es wurden im Gefangenenhause untersucht:

1902 ...... 194 Mädchen, davon krank 119

1903 ...... 166 85

1904...... 177 87

1905 ...... 199 93

1906 ...... 285132

und zwar litten an

1902

1903

1904

1905

1906

1.

59

41

29

35

56

2.

Tripperverdacht . . . .

13

13

14

21

33

3.

Erosion der portio vagin.

15

9

6

19

16

4.

20

20

30

17

24

5.

Syphilisverdacht. . .

11

2

8

1

2

6.

Krätze und Läuse . .

1

1

119

85

87

93

132

Unter Tripper sind die Fälle aufgezählt, in denen die Ansteckungsfähig­keit durch Harnröhrenausfluß, spitze Feigwarzen usw. evident war. Bei