Krankheiten, ansteckende Krankheiten; Hygienisches Institut; Desinfektionsanstalt; Prostitution.
Bearbeiter: Dr. Arnold Meyer, Vorsteher der medizinischen Abteilung am Hygienischen Institut. Dr. Dreier, Dr. Stachow, Kreisärzte.
A. Krankheiten, ansteckende Krankheiten.
Den nachfolgenden Ausführungen sind vorwiegend die Verhältnisse der Stadt Bremen, nicht die des gesamten Staatsgebietes, zugrunde gelegt und zwar im wesentlichen für den Zeitraum von 1904 bis 1906.
Die mittlere Bevölkerungsziffer der Stadt betrug:
1904 200 000 Einwohner
1905 209 000
1906 216 000
Ein Vergleich Bremens hinsichtlich seiner gesundheitlichen Verhältnisse mit anderen Städten mit ähnlich großer Einwohnerzahl oder mit anderen klimatisch annähernd gleich gelegenen Städten ergibt, abgesehen von der Tuberkulose, keine erheblichen Verschiedenheiten.
Besonderes Interesse erfordern für Bremen, als Hafen- und Welthandelsstadt, die ansteckenden, gemeingefährlichen Krankheiten: Pest, Cholera, Pocken und Fleckfieber.
A. Nichtansteckende Krankheiten.
Es ist schwer, ein völlig klares Bild über die Anzahl dieser Erkrankungen zu bekommen. Einen annähernden Rückschluß gestatten nur die Jahresberichte der größeren Krankenkassen und Krankenanstalten, sowie die amtlichen Totenscheine.
Sieht man von den chirurgischen Erkrankungen — besonders Verletzungen durch Betriebsunfälle — ab, so stehen der Zahl nach an erster Stelle die Magen- und Darmerkrankungen. Namentlich sind es die Verdauungsstörungen der Säuglinge, welche die Höhe dieser Zahl bedingen. Ein großer Bruchteil der Säuglinge stirbt an diesen Erkrankungen; ein starkes Anschwellen der durch sie bedingten Todesfälle zeigen jahraus, jahrein die Sommermonate. Eine ernste Mahnung, immer wieder und wieder darauf hinzuweisen, daß die Muttermilch der beste Schutz gegen diese Erkrankungen ist!
Den Magen- und Darmerkrankungen reihen sich die Erkrankungen der Atmungsorgane an. Scheidet man unter diesen die Erkrankungen an Tuber-