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Bremen in hygienischer Beziehung.
Stadtgegenden die Straßen mit ihren sauber gehaltenen, niedrigen Häusern, ihren freundliehen Vorgärten und Veranden vorteilhaft abstehen gegen die Bauweise in anderen Großstädten.
II. Badewesen.
A. Flufsbäder.
Von jeher bot den Bremern die Weser Gelegenheit zum Baden und Schwimmen; in den wärmeren Monaten, namentlich an heißen Tagen, wurde und wird denn auch ausgiebig davon Gebrauch gemacht. In dem Umstände, daß Flußbäder durch die Frische und Reinheit der Luft und durch die Strömung des Wassers einen noch wohltätigeren Einfluß auf die Haut und den ganzen Organismus ausüben als die Bäder in den Schwimmbassins von Badeanstalten, liegt der Grund, daß sie in der wärmeren Jahreszeit stets bevorzugt bleiben. Leider wird die Ausnutzung der Weser zu Badezwecken dadurch beeinträchtigt, daß auf dem linken Weserufer unterhalb der Stadt die Abwässer der Neustadt in sie gelangen und durch die Flut Rückstauungen erfolgen, welche die Benutzung des Flußwassers zu Badezwecken an den näher gelegenen Stellen gesundheitlich verbietet. Ferner ist Rücksicht zu nehmen auf das am Werder gelegene Wasserwerk, welches seine Schöpfstelle oberhalb der Altstadt in der Weser besitzt; ein zu nahes Heranrücken von Badeanstalten an diese Schöpfstelle ist in Hinblick auf die Reinheit des auch zum Trinken dienenden Leitungswassers zu vermeiden.
Leider wurde auch die sogen, kleine Weser, ein toter Arm derselben, durch notwendig gewordene teilweise Zuschüttung und durch andere Umstände unbrauchbar zu Badezwecken. Sie gab in der gut geleiteten Hufelandschen Badeanstalt 40 Jahre hindurch eine vorzügliche Gelegenheit zum Baden, Schwimmen und zu allerlei Wassersport.
Immerhin bieten, abgesehen von der Militärbadeanstalt bei Woltmershausen, noch 6 Badeanstalten Gelegenheit zum Baden und Schwimmen im Flusse. Davon sind 4 städtische, 1 von dem Verein für Flußbäder eingerichtet und 1 Privatunternehmen.
Von diesen 6 Anstalten liegen für das Jahr 1904 genaue Angaben über die Zahl der genommenen Bäder vor, nur bei einer konnten keine bestimmten Zahlen aufgegeben werden. Die Betriebszeit dauert bei allen von Mitte Mai bis Mitte September. Geöffnet sind sie meistens von h x j„ oder 6 Uhr morgens bis gegen Dunkelwerden, d. h. bis ca. 9 Uhr abends; nur einige haben eine Mittagspause. Zum Teil sind sie nur für Männer und Knaben bestimmt, zum Teil stundenweise auch für Frauen und Mädchen.
Die vier städischen Badeanstalten sind einfache Badeplätze, die zwischen Schiengen, d. h. Ausbauten in den Strom, gelegen sind und durch Rickelwerk in diesem abgesperrt sind. Räume zum Aus- und Anziehen, Sprungbrücken usw. sind vorhanden. Für das Jahr 1904 liegen folgende Angaben über sie vor.