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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
Entstehung
Seite
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28 . Heinrich von Zütphen.

Der vorige Abschnitt hat uns einem Ereignisse naher geführt, das ewig eine weltgeschichtliche Bedeutung behalten wird, weil cs dem kirchlichen und politischen Leben, man darf sagen, der ganzen Menschheit, eine veränderte Gestalt, eine neue Richtung gab. Ver­nehmt nun, in welcher Weise die Schwingungen desselben unser Bremen trafen, wobei vorausgesetzt wird, daß euch im Allgemeinen der Hergang der Reformation aus andern Quellen bekannt ist. Wir gehen daher zu den Vorgängen in Bremen, wie sie einander folgten, unmittelbar über.

Der Erzbischof Johann Rhode, welcher ein Mann bürgerlicher Herkunft war, starb im Jahre 1511 auf seinem Schlosse zu Bremer­vörde*), und nachdem in feierlicher Procession von Geistlichen und Weltlichen, die Kreuze, Fahnen, brennende Kerzen, Rauchfässer u. s. w. trugen, seine Leiche in Bremen empfangen war, wurde sie in den Dom getragen, wo der geöffnete Sarg einen ganzen Tag für Jeder­mann zur Schau stand.

Der entschlafene Oberhirt der bremischen Kirche lag darin im vollen priesterlichen Schmuck, mit Schuhen an den Füßen, in Knie­hosen mit schweren goldenen Borten, mit beringten Finger», den Bischofmantel über die Schultern und ein rothcs Barett auf dem Haupte. Beim Scheine geweihter Kerzen »rächten vier Priester neben dem Tobten. Ihre frommen Gesänge ertönten langsam, ernst und schauerlich durch die hochgewölbten Hallen. Unter besonder»» Feier­lichkeiten fand am nächsten Tage in der Kirche die Beerdigung Statt. Sein Nachfolger war der im vorigen Abschnitt schon erwähnte Coad- jutor Christoph, Herzog von Braunschweig, ein stolzer, herrischer und hochsahrmder Mann, der nichts sehnlicher wünschte, als daß unter seinem Regiments die bremische Kirche zu alten» Glanze wieder crblü-

*) Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte Breme» anfge- hört, die Residenz der Erzbischöfe zn sein, die es vvrzoge», auf einen» ihrer festen Schlösser zu wohnen. Das Palatin,» am Domshofe blieb zwar erzbischöfliches Eigenthum, wurde aber von Nichtgeistliche» bewohnt, eine Zeit lang z. B. auch vom Bürgermeister Johann Frese.