10. Januar 1919.
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Bremer Arbeiter und Soldatenrat
16. Sitzung Freitag, üen 10. Januar 1919.
3) Ausrufen der sozialistischen Republik Kremen.
Einsetzung eines Rats der Volkskommissare.
, Ltandrecht und Belagerungszustand.
Vorzensur der presse.
Die für gestern angekündigte Demonstration der den Parteien der U. S. und der Kommunisten angehörenden Arbeiterschaft hat einer Besiegelung des Revolutionsschicksals für Bremen gegolten. Ihr Abschluß war das Ausrufen der von einem Rat der Volkskommissare regierten sozialistischen Republik Bremen, in der das Bürgertum und die Mehrheitssozialisten von Vertretung und Mitwirkung ausgeschlossen bleiben.
Bald nach 4 Uhr rückten von Osten und Westen, wie von der Neustadt her die Arbeitermassen mitsamt den Jugendlichen zum Marktplatz. Die Garnisonkapelle kam mit und begleitete den Anmarsch mit ihren Weisen. Rote Fahnen wehten über den Zügen, in denen man Schilder bemerkte mit Aufschriften, wie „Hoch die sozialistische Republik", „Nieder mit Ebert-Scheidemann", „Hoch Liebknecht", „Nieder mit Senat und Bürger- schaft", „Hoch die proletarische Diktatur". Am Markt sah man das Rathaus von Bewaffneten umgeben, Maschinengewehre auf der Domtreppe, Börsentreppe sowie vor dem westlichen Rathauseingang, auch einzelne Bewaffnete zu Pferde. Der Marktplatz selbst war von Bewaffneten abgesperrt. An die Jugendlichen wurden aus dem Domshof vom Balkon des Bankhauses Bernhd. Loose aus, an die Arbeiter von beiden Söllern des Rathauses und auch von der Börsentreppe aus durch ihre Führer und auch durch Mitglieder des Soldatenrats Ansprachen gehalten. Sie enthielten die in dem untenstehenden Aufruf näher bezeichneten Forderungen, zu deren Vertretung eine Delegation der demonstrierenden Arbeiter, neun Mann stark, vor den im Rathaus versammelten Aktionsausschuß geladen wurde. Die Beratung darüber dauerte nur kurze Zeit. Unter lebhaften Hochrufen der demonstrierenden Arbeiter wurde dann vom Rathaus herab die Errichtung der sozialistischen Republik Bremen, Einsetzung eines Rats der Volkskommissare, völlige Ausschaltung von Senat, Bürgerschaft und Deputationen, Entfernung der Mehrheitssozialisten aus dem Arbeiterrat und ihre Ersetzung
durch je 30 U. S. und Kommunisten, weitere Bewaffnung der Arbeiterschaft und restlose Entwaffnung des Bürgertums sowie Verhängung des Standrechts verkündet. Nach der Proklamierung der Republik Bremen erfolgte noch vom Rathaus herunter unter starkem Beifall die Mitteilung, daß die sofortige Absenkung eines Telegramms an die Regierung Ebert-Scheidemann beschlossen worden sei, init der Aufforderung, daß diese Regierung baldmöglichst von der Bildfläche verschwinden möge. Des weiteren sei ein Sympathietelegramm an die russische Räteregieruug abgesandt worden, in dem der Zuversicht Ausdruck gegeben worden sei, daß mit beiderseitiger Unterstützung der Revolution zum Siege verholfen werde. Herr Ecks teilte vom Rathaus herunter mit, daß er nunmehr sein Amt als Vorsitzer des Soldatenrats zu Händen der Volkskommissare niederlege, aber ja wiedergewählt werden könne.
Hinzu kamen dann noch Sonderbeschlüsse, betr. Vorzensur für die bürgerliche Presse und Inbesitznahme des Gewerkschaftshauses, wohin sich ein großer Teil der Arbeiter, als die Demonstration beendet war, mit Musik begab, uin die Herrschaft der neuen Gewalten über dieses Gebäude zum Ausdruck zu bringen. Es geschah von einem Fenster des Gebäudes aus mit einer Rede, in der auch die schon vom Rathaus aus verkündete Absetzung der Gewerkschaftsführer und Beschlagnahme ihrer Kassen für das revolutionäre Proletariat bestätigt wurde. Die Gewerkschaftsführer, so hieß es, könnten sich ja nun an den Arbeitsnachweis wenden. Ein bei der Auflösung der Menge auf dem Marktplatz ertönender Schuß ging beim Entladen aus einem der Maschinengewehre los, schlug in das Schaufenster von Rütes Weinstube und verletzte abprallend einen 13jährigen Knaben schwer am Bein.
Sofort nach Beendigung der Demonstration erschienen in der Stadt Plakate mit folgender Bekanntgabe:
Einwohner Bremens!
Die Entscheidung ist gefallen! Um nicht mit in den selbmörderischen Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hineingerissen zu werden, hat das werktätige Volk Bremens, das revolutionäre Proletariat, sein Schicksal in die eigene Hand ge-