45
^ . des Bremer Wetter- und 6oldrte»rstes
am 28. Dezember 1918 im Konventsaale der Börse.
Tagesordnung:
1. Bericht der Siebenerkommission.
2. Beschlußfassung über die Bewaffnung des Proletariats.
3. Stellungnahme zum Antrag Frau Becker auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung.
4. Stellungnahme zum Antrag der Arbeitslosen auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung.
5. Verschiedenes.
Henke führt den. Vorsitz.
Eröffnung der Sitzung 6 Uhr 30 Minuten.
Bors.: Die Tagesordnung liegt Ihnen gedruckt vor:
1. Bericht der Siebener-Kommission.
2. Beschlußfassung über die Bewaffnung des Proletariats.
3. Stellungnahme zum Antrag Frau Becker auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung.
4. Stellungnahme zum Antrag der Arbeitslosen auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung.
5. Verschiedenes.
Es ist der Wunsch ausgesprochen worden, über Punkt 4 zuerst zu verhandeln. Wenn dagegen kein Widerspruch erhoben wird, kann dem entsprochen werden.
Stellungnahme zum Antrag der Arbeitslosen auf Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung.
Leiter: Genossen! Die Arbeitslosen haben am Montag im Gewerkschastshaus eine Versammlung gehabt und haben sich mit verschiedenen Fragen, die sie interessieren, befaßt, und ihre Forderungen gestellt. Ich brauche die Forderungen nicht zu verlesen, denn die meisten Mitglieder werden sie aus den Zeitungen gelesen haben. Es
handelt sich zunächst um die Erhöhung der Unterstützungssätze für Ledige auf 6 Mark, für Verheiratete auf 8 Mark, dazu für jedes Kind 1.50 Mark. In verschiedenen Städten wird eine bedeutend höhere Unterstützung gezahlt, besonders in Hamburg. Die Sache liegt auch so, daß bei den Teuerungsverhältnissen heutzutage mit den Unterstützungssätzen tatsächlich nicht mehr auszukommen ist. Es ist also dort sehr dringend gewünscht worden, daß die Sätze erhöht werden. Ich bin der Meinung, daß an sich zwar auf die finanzielle Seite der Frage für den Staat zu achten ist, daß es aber nicht unsere Ausgabe ist, darauf besonders aufmerksam zu machen. Ich habe lediglich die Wünsche der Arbeitslosen vorzulegen.
Des weiteren fordern die Arbeitslosen, daß die vom Militär entlassenen Mannschaften sofort nach der Entlassung eine Unterstützung erhalten, und nicht erst dann, wenn sie sich beim Arbeitsnachweis melden. Es kann vorkommen, daß sie erst eine lange Reise zu machen haben (manchmal acht Tage) ehe sie sich beim Arbeitsnachweis melden können, und mancher wird vielleicht auch durch Familienangelegenheiten usw. zurückgehalten, das sofort zu tun, vielleicht wohnt die Familie nicht mehr in Bremen. So kann es sich um fünf oder sechs Tage handeln, in denen er keine Unterstützung erhält. Wenn er einwandfrei nachweisen kann, daß er während der Zeit nicht gearbeitet hat, dann sollte man ihm eine Unterstützung gewähren.