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28.11.1918 5. Sitzung
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28. November 1918.

Vorsitzer Henke weiß nicht, worauf sich die Er- Ein Antrag, den Delegierten zum A.-Rat Spesen klärung des Vorredners bezieht. Er glaubt aber für die Sitzungen zu gewähren, wird dem Aktions­feststellen zu sollen, daß alle gestern aufgetauchten ausschuß zur Verfügung überwiesen.

Vermutungen, daß der Soldatenrat seine gestrigen Ein Antrag Seitz, einen Vorstand des Arbeiterrates

Maßnahmen in gegenrevolutionärem Sinne getroffen zu wählen, unabhängig vom Aktionsausschuß, der die habe, irrig seien. organisatorischen Geschäfte des A.-Rates führen, die

Sitzungen einberufen und leiten soll, wird im Hin- Es wird beschlossen, daß der Antrag der Hansa- blick auf die bevorstehende Neuwahl des Arbeiterrates Lloydwerke hier nicht zur Entscheidung im A.- und bis zu dieser zurückgestellt.

S.- Rate kommen kann, daß es sich vielmehr um Schluß der Sitzung nach 11^2 Uhr. Nächste

eine eigene Angelegenheit des Betriebsarbeiterrats Sitzung Freitag morgen 11 Uhr. Empfang einer der Hansa-Lloydwerke handelt. Abordnung der Arbeiterschaft.

6. Sitzung Freitag, öen 29. November 1918

3) Demonstrationsstreik und Masten­kundgebung von Industriearbeitern unter Führung von Joh. Kniet.

Die mancherlei widerspruchsvollen Erscheinungen und Bewegungen dieser Tage erreichten gestern in Bremen einen gewissen Höhepunkt, von dem man nicht weiß, ob er noch zu übertreffen sein wird. Das Innere der Stadt bietet mit seinem zu Ehren der heimkehrenden Krieger angebrachten reichen Schmuck an Fahnen und Tannengewinden einen festfrohen Anblick, besonders das mit freundlichen Farben überall durchwobene ernste Grau der Marktplatzumrahmung. In dieses Bild hinein strömten am Vormittag von allen Seiten her Züge großer Arbeitermassen und verliehen ihm ein Leben, das an manchen frohen Anlaß der Vergangenheit erinnern mochte. Aber zwischen der Stimmung der Menge und dem festlichen Gepränge bestanden keinerlei Beziehungen. Man dachte noch nicht an die heimkehrenden Krieger, sondern hatte die Köpfe voll von Gedanken der revo­lutionären Tagespolitik. Es galt einer großen öffent­lichen Auseinandersetzung der Arbeiterschaft radikaler sozialdemokratischer Richtung mit dem A.- und S.-Rat, in dem sie sich nicht nach Wunsch vertreten sieht. Ihrem neu gewonnenen Führer Knies folgend, kamen die Arbeitermassen, um eine Probe aufs Exempel zu machen und je nach dem Ausfall ihre Politik dann weitertreiben zu können. Daß es sich dabei um reine Gegenwartspolitik handelt, an der sich, wenn sie durchdrängt, eine vielleicht schon nahe Zukunft furcht­bar rächen könnte, wissen wir. Aber wer sich unter der Menge bewegt hat, weiß auch, daß keineswegs die gesamte Arbeitermasse so sorglos die goldenen

Früchte des Tages pflückt, sondern den Forderungen und Versprechungen, die gar zu weit gehen, mit dem nötigen gesunden Mißtrauen gegenübersteht. Dafür lieferte die Demonstration manchen Beweis, der auch ihren Veranstaltern nicht entgehen konnte, und des­halb dürfen die Kundgebungen der geschickt bearbeiteten und leicht hingerissenen Masse nicht zu einseitig beur­teilt werden.

Nachdem als letzte mit klingendem Spiel eines Trommler- und Pfeiferkorps und mit Fahne die Arbeiterschaft der Atlaswerke angerückt war, setzte eine Bewegung der Menge vom Marktplatz nach dem Domshof ein, der gerade Raum genug bot, die ganze Ansammlung aufzunehmen. Von einem Balkon der Deutschen Bank aus musterte Herr Knies seine Heerscharen; neben ihm dirigierte die Genossin Frau Ahrens durch Hand- und Armbewegung die Gesamt- aufstellung. Vom Eisengitter des Roland herab wie nachher von erhöhter Stelle am Domshof erklärte ein Redner, daß es gelte, die Einigkeit der Arbeiterschaft zu betonen und mit ganzer Kraft dafür zu sorgen, daß die Führer genau so einig werden, um die Errungenschaften der Revolution hochzuhalten.

Dann nahm Herr Knies das Wort und führte aus: Die Arbeiter seien nicht zusammengerufen, um den Arbeiterrat zu bekämpfen, sondern nur, um ihm ihre Forderungen zu unterbreiten. Die allgemeine Volksbewegung, aus der auch der A.- und S.-Rat hervorgegangen sei, beginne zu einer Klassenbewegung der Arbeiter zu werden. In diesem Augenblick sei es notwendig, daß die Arbeiterschaft ihre Forderungen klipp und klar erhebt. Es handle sich um einige wichtige politische Fragen, so die der Nationalver­sammlung, für die lebhaft agitiert werde. Das eigent-