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(Die Berichte über die Sitzungen bis zum 9. Dezember 1918 sind nach den Tageszeitungen wiedergegeben. Vom 13. Dezember an sind die Verhandlungen stenographisch aufgenommen, die Redaktion dieser Berichte wurde jedoch von Mitgliedern des Arbeiter- und Soldatenrats besorgt. Eine Ausnahmestellung nimmt der Bericht über die Sitzung am 10. Januar 1919 ein, da diese Sitzung sich unmittelbar an die Ausrufung der sozialistischen Republik anschloß und die Stenographen über die Tagung nicht benachrichtigt waren. Darum ist auch über diese Sitzung ein Bericht der Tagespresse wiedergegeben worden.)
1. Sitzung Donnerstag, üen 14. November 1918.
Der Donnerstag, 14. November, war in der Stadt nach der achttägigen Revolution fast wieder ein Werktag, wie alle. Die Tagesarbeit ging überall ihren Gang und löste sich am Abend in dem gewohnten lebhaften Straßenverkehr auf. Ueber seinem Hauptknotenpunkt, dem Marktplatz, lag das Licht der Bogenlampen, in das der Roland so seltsam hineinlächelt, wenn das Altersgrau des Rathausbaues vom Abenddunkel zu besonders ernster Wirkung gesteigert ist. Auch das neue Rathaus lag wie ausgestorben, und nur unter dem Säulengang des alten schimmerte Licht durch die bunten Scheiben des nach mehreren Sperrtagen wieder geöffneten und so stark wie gewöhnlich in dieser Zeit besetzten Ratskellers. In der achten Abendstunde verriet noch nichts das Nahen eines großen Ereignisses. Dann sah man vereinzelt und in Gruppen Leute unauffällig von der Domseite her die Börse betreten. Bald wurden es ihrer mehr, und nach 8 Uhr gesellten sich auch Feldgraue hinzu, zum Teil in einem Auto des Soldatenrats von der Kaserne her eingetroffen. Bewaffnetes Militär folgte und umstellte das Börsengebäude wie auch das Rathaus mit dichten Postenketten, die aber den starken Verkehr der Straßenbahnzüge und Fußgänger überall unbehindert ließen.
So bereitete sich das große Ereignis der Revolution vor, zu dem sich oben im Konventsaale der Börse, denr Sitz des Bremer Parlaments, die Räte der Soldaten und Arbeiter von Bremen versammelten. Ihre Mitglieder, unter denen man auch einige weibliche sah, füllten sämtliche Plätze. Nnr etwa dreißig neben dem Präsidium noch aufgestellte Stühle blieben leer. Auf den vorderen Sitzen der Rechten sah man die Feldgrauen mit den weißen Armbinden, die Vertreter des Soldatenrates. Es verging wohl eine
halbe Stunde, die hie und da im Saale zum Verzehren des mitgebrachten Imbisses oder zum Anzünden des Rauchkrautes benutzt wurde, bevor die Führerschaft der beiden Räte mit Herrn Alfred Henke an der Spitze erschien und sich auf den Plätzen des Präsidiums niederließ, neben dem Vorsitzenden Herrn Henke die Herren Klawitter, Brodmerkel, Willems, Kullrich u. a.
Nach einem Läuten der Präsidentenglocke vernahm die Versammlung die folgende
Rede des Herrn Henke:
Kameraden und Genossen! Wir sind hier zusammengekommen, um einen sehr wichtigen Schritt zu tun. Der außerordentlichen Sache entsprechend, haben wir dieses Lokal gewählt, in dem oftmals Gesetze gemacht und politische Handlungen vollzogen worden sind, mit denen wir nicht zufrieden sein konnten. Heute abend werden wir nun eine Handlung vollziehen, mit der, wie wir hoffen, alle diejenigen zufrieden sein werden, die an der Wendung der Dinge ihren Gefallen gefunden haben.
Vor einer Woche haben Militär und Arbeiterschaft in Bremen die öffentliche Gewalt in Besitz genommen. Zu unserer Freude ist das geschehen, ohne daß ein Tropfen Blut dabei vergossen wurde. Und ohne Blutvergießen wollen wir, so weit es an uns liegt, das, was begonnen worden ist, fortsetzen. Wir müssen unter allen Umständen fortführen, was jene Kämpfer unter Einsetzung ihres Lebens hier und in vielen anderen Städten Deutschlands begonnen haben. Stillstehen dürfen wir auf keinen Fall. In einer Proklamation haben wir vor einigen Tagen gesagt, daß eine Revolution sich ereignet habe und daß es unsere Aufgabe, die Aufgabe des Arbeiter- und Soldatenrats sei, für die Erweiterung und Vertiefung der