Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
337
 
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der sehr vielen durch die Mohammedaner in Nordindien eingedrungenen arabisch­persischen Bezeichnungen.

Nach Ostafrika muß die Kenntnis des Ingwers, und die Pflanze selbst, recht früh gelangt sein. Mitte des 13ten Jahrhunderts erwähnten Ibn-Sayd, Abulfeda, daß in der Stadt Melinde der »arbre de zinj« wachsen solle, wie Guillain in seiner Übersetzung schreibt; leider kann ich nicht kontrollieren, wie das Wort im Urtext heißt. Um 1330 hat Ibn Batuta in Mugdischu »grünen Ingwer« (cl-scmjcbil-erah<lar) gegessen. Nun ist es ja allerdings denkbar, daß es sich hier um Kurkuma gehandelt hat, der zu einer Currv-Sauce getan war, aber ebenso wahrscheinlich ist es auch, daß es wirklich Ingwer war, d. h. frischer, nicht getrockneter. Auffallend ist, daß man etwa zur selben Zeit, 1380, in Brügge einen in Zucker eingemachten »grünen« Ingwer (grone Gingeber) kannte, während sonst als grüner Ingwer der einfach getrocknete, nicht kandierte gilt. Jetzt heißt unsere Drogue in Zanzibar und an der Küste überall tangawisi, die Pflanze mtangawisi. Die geschälten und getrockneten Wurzeln sind in jedem In­dierladen zu haben, eine hellgraugelbe und recht kleine Sorte, die lange nicht so groß ist, wie der in Zucker eingemachte Ingwer, welchen wir aus China er­halten. Aber er ist recht scharf. Die Leute nehmen ihn sehr gerne zum Würzen der Saucen und Speisen, auch als Medizin, z. B. zerrieben als Hautreizmittel bei Kopfschmerz etc. Auch der kandierte Ingwer in Töpfen kommt nach Zan­zibar und ist dort in vielen Indierläden recht billig erhältlich. Die Pflanze wird bei uns seit langem von Farbigen kultiviert, in Zanzibar recht häufig, ebenso an vielen Küstenorten, im Innern kenne ich sie nur von Usambara und aus Usaramo, wo die Eingeborenen sie noch ziemlich weit im Innern haben, immer unter dem­selben Namen, ein Zeichen dafür, daß hier einmal eine fremde Kolonisation stattfand, denn in denselben Gegenden finden wir auch die Pommeranze und andere fremde Pflanzen. Eine ausgedehnte Kultur des Ingwers, wie in Westafrika, findet hier aber nicht statt. Barbosa erwähnt seine Kultur aus Madagascar, Varthema von den Comoro-Inseln. Ich notierte noch, daß bei den Somali der Ingwer zindschibil. bei den Abessiniern ischcndschibcl, in Madagascar saka- maläo und bei den Kai in Westafrika ndsamang heißen soll. In Ewe heißt er nkrawusa.

Ob eine rentable Kultur von Ingwer hier möglich ist, kann man ohne Ver­suche, bei denen man Kosten und Ergebnisse genau berechnet, nicht feststellen. Es wird aber immer eine Kleinkultur sein müssen, da die Aufbereitung einer guten Ware (Schälen und Trocknen) viel Handarbeit und Sorgfalt verlangt. Auf recht fruchtbarem gedüngtem Boden wird man pro Hektar auf 10001700 Kilo trockene Ware rechnen können, also 600iöoo Mark Brutto pro Hektar. Über die Kultur etc. der Pflanze hat Zimmer mann in der Umsambara Post vom 2. Juli 1904 ausführliche Notizen gegeben.

Kleinere Ansiedler werden sich durch diese Kultur gewiß eine gute Neben­einnahme schaffen, sie werden auch den hiesigen Markt versorgen können, der

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